Stammbaum mit Liebesglück

Wickenröderin hat Ahnentafel von 1241 bis in die Gegenwart

Helsa. Wenn Sonnhilde Pohner-Grosch aus Wickenrode nach ihren Wurzeln gefragt wird, dann kann sie ausführlich antworten. Bis in das Jahr 1241 reicht ihr Stammbaum zurück. Vervollständigt bis in die Gegenwart hat ihn Herbert Brandt vom Geschichtsverein in Helsa.

Das Archiv der Helsaer Hobbyhistoriker macht es möglich, Stammbäume bis in das Jahr 1590 zu rekonstruieren – anhand von Kirchenbüchern, Standesamtbüchern und privaten Aufzeichnungen. Für die Ahnentafel von Sonnhilde Pohner-Grosch war langes Forschen nicht nötig. Die 67-Jährige, die mit ihrem Mann in Wickenrode lebt und zwei Söhne hat, kam nämlich mit einer Chronik zum Geschichtsverein, die bereits von 1241 bis 1991 reicht. Angelegt hatte das „Sippenbuch“ ein Vorfahre namens Kurt von Mallinckrodt.

Herbert Brandt

Dass ein Stammbaum so weit in die Vergangenheit zurückgeführt werden kann, ist außergewöhnlich, sagt Brandt. Stolz blickt er auf das Ergebnis wochenlanger Recherche: Auf den Ordner, in dem steht, wie die Familie von Sonnhilde Pohner-Grosch nach Wickenrode kam.

Vorfahren in USA

Ihre Wurzeln reichen unter anderem bis in die USA und die Niederlande. Dank der Sippendatei konnte man sogar herausfinden, dass Pohner-Grosch adlige Vorfahren hat – dass sie Nachfahrin der Familie von Mallinckrodt ist. Es war der Sohn eines Kaufmanns aus dem Ruhrgebiet, der in dem Textilgeschäft seines Vaters in Hannoversch Münden arbeitete und sich in ein Mädchen aus Wickenrode verliebte. „Er ist der Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater von Sonnhilde Pohner-Grosch“, sagt Brandt. Georg August Mallinckrodt war 1811 in Hannoversch Münden geboren und 1836 in Wickenrode verstorben. Mit seiner Freundin bekam er einen unehelichen Sohn, das spaltete die Familie. So habe es zwei Gerichtsverfahren gegeben, in denen es um den Familiennamen ging. Als das junge Paar dann heiratete, hatte es deshalb vorübergehend den Mädchennamen der Frau, Ungerott, annehmen müssen. „Die adlige Familie von fand es offenbar nicht so gut, dass ihr Georg August ein armes Mädchen vom Dorfe heiratete“, vermutet Brandt, der sich auf Gerichtsdokumente stützt.

Auch noch Generationen später habe der Familienname eine Rolle gespielt – Brandt vermutet dahinter einen Erbschaftsstreit. Mit den Jahrhunderten wurde Mallinckrodt zu Mallinkrodt, das „von“ ging verloren, aufgrund von Hochzeiten kamen neue Namen hinzu. Mittlerweile ist der Name Mallinkrodt, zumindest in der nordhessischen Region, ausgestorben. Bei einer Reise nach Windhoek in Namibia sei Pohner-Grosch mal in einem Laden auf den Namen gestoßen. Es habe sich aber kein Bezug zur eigenen Familie herstellen lassen können.

Das Spannendste an dem Stammbaum sind für die Nordhessin die skurrilen Berufe ihrer Vorfahren: So lebte ein Erbsasse ausschließlich von seinem Erbe und der Kirchenälteste war von Beruf Kirchensenior.

Stichwort

Der Geschichtsverein Helsa kann Stammbäume bis in das Jahr 1590 rekonstruieren. Je mehr Menschen einer Familie in Helsa gewohnt haben, desto lückenloser geht das. In Einzelfällen recherchieren die Mitglieder auch in anderen Archiven. Die Stammbäume basieren auf Daten von Eheschließungen, Todesfällen und Geburten. Sie stehen in Kirchenbüchern und ab dem Jahr 1870 in Standesamtsbüchern. Etwa 75 Stammbäume haben Brandt und sein Kollege Hans Schröder bislang erstellt – 30 aus Wickenrode, 30 aus Helsa und 15 aus Eschenstruth. Eine große Hilfe sind auch Familienchroniken. Die wurden allerdings vornehmlich in wohlhabenden Familien geführt – „in Helsa sind sie selten“, so Brandt. Anfragen kommen aus der Region, aber auch aus dem Ausland. Durchschnittlich erreichen den Verein zwei Anfragen im Monat. Laut Brandt beziehen sich diese zum Beispiel auf Berufe, die Familienmitglieder in der Vergangenheit hatten oder auch auf Indizien für uneheliche Kinder in der Familie.

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