Der sanierungsbedürftige Turm der Kaufunger Stiftskirche wird stabilisiert und neu eingedeckt

Bis Herbst schweigen die Glocken

Jetzt wird das Dach des Turms erneuert: Dekanin Carmen Jelinek und Diplom-Ingenieur Martin Burischek stimmen die Pläne zur Sanierung der Stiftskirche ab. Foto: Dilling

Kaufungen. 3500 Sandsteinplatten aus dem Solling bedecken den von der Traufe bis zur Spitze 16 Meter hohen Turmhelm der Stiftskirche. Doch im Laufe der Jahrhunderte sind viele von ihnen brüchig geworden; Feuchtigkeit ist in die hölzerne Tragkonstruktion eingedrungen, die nicht mehr stabil genug ist. Der Holzwurm hat sich in Balken und Sparren gebohrt.

Zeit also für eine Rundumreparatur, die zurzeit vorbereitet wird und bis Ende Oktober abgeschlossen sein soll: Das Gerüst wächst an der Turmmauer in die Höhe, der Aufzug, mit dem die Sandsteinplatten zur Erde transportiert werden sollen, ist bereits installiert.

„Im schlimmsten Fall müssen 2000 Platten ersetzt werden.“

DIPLOM-Ingenieur Martin BURISCHEK

Die Reparatur des Turms bildet die vierte Etappe bei der Sanierung der Stiftskirche. Eine statische Überprüfung habe ergeben, dass die Tragkonstruktion des Turmhelms nicht ausgesteift ist, sagt der vom Bauherrn, der evangelischen Kirchengemeinde Oberkaufungen, beauftragte Diplom-Ingenieur Martin Burischek vom Fuldaer Architekturbüro Reith und Werner.

Die Sparren seien zu weit voneinander entfernt und hätten sich verbogen. Dadurch gerate der Turmhelm bei starkem Wind in Bewegung, die sich sich auf das Mauerwerk übertrage und dort Schäden anrichten könne, erklärt der Experte.

Die Sparren sollen deshalb mit dünnen Stahlstäben auf den Deckenbalken des Turms festgezurrt werden.

Die maroden Teile der Dachkonstruktion werden herausgeschnitten und durch teilweise 300 Jahre altes Eichenholz ersetzt. Von den sogenannten Sollingplatten müssten im schlimmsten Fall 2000 Stück ersetzt werden, schätzt Burischek. Die Kirchengemeinde habe sich von der beauftragten Firma zusichern lassen, dass diese so viele Platten besorgen kann. Denn die Sollingplatten würden schon lange nicht mehr hergestellt.

Auch die Turmuhr erhält eine Frischzellenkur: Zifferblätter und Zeiger werden abgenommen, entrostet, neu eingefasst und mit Blattgold versehen. Das bisher mechanische Uhrwerk wird durch einen Elektromotor ersetzt. Die alten Zahnräder bleiben aber im Turm. Während der Sanierungsarbeiten müssen die Kaufunger auf das Glockengeläut der Stiftskirche verzichten. Das Baugerüst ist den Glocken im Weg.

Katholiken helfen aus

Man habe sich aber mit der katholischen Kirchengemeinde geeinigt, sagt Dekanin Carmen Jelinek. Bei Beerdigungen sollen die Glocken von deren Kirche läuten.

Keine Arbeiten im Innern

Man habe bewusst darauf verzichtet, während der 1000-Jahr-Feier der Gemeinde Kaufungen im Innern der Kirche zu arbeiten, betont Jelinek. Die Neueindeckung des Dachs des Kirchenschiffs, die sich vergangenes Jahr wegen des plötzlich entdeckten Schwammbefalls verzögert hatte, soll daher erst nächstes Jahr fortgesetzt werden.

Für die Restaurierung der Wilhelm-Orgel und der Wandmalereien in der Kirche werden weitere Spenden benötigt. Die Reserve des Fördervereins von 270 000 Euro reiche dafür noch nicht aus, sagt die Dekanin. HINTERGRUND

Spendenkonto: Für die Sanierung des historischen Gotteshauses sammelt der Förderverein Stiftskirche Kaufungen Spenden.

Sie können auf das Konto 1 19 72 26 bei der Kasseler Sparkasse, BLZ 520 503 53, überwiesen werden.

Von Peter Dilling

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