Sport mit Hindernissen

Turnhalle der Herderschule ist zu klein – Schüler müssen nach Bettenhausen

Kassel. Generationen von Herderschülern kennen das Problem: Weil das Oberstufengymnasium in der Kasseler Unterneustadt nur über eine kleine Sporthalle mit einem Spielfeld verfügt, müssen zahlreiche Schüler für den Sportunterricht nach Bettenhausen pendeln.

Ziel ist die Olebachhalle am Eichwald, eine Dreifeldhalle, die bereits seit Jahrzehnten von den Herderschülern und ihren Sportlehrern als Ausweichquartier genutzt werden muss.

Schulleiter Martin Sauer ist das Langzeit-Provisorium ein Dorn im Auge. Er sieht die Schule, die vor allem von jungen Leuten aus dem östlichen Altkreis Kassel besucht wird, durch die unbefriedigende Hallensituation im Nachteil. Tatsächlich ist der Aufwand für den Sportunterricht wegen der zu kleinen und überdies sanierungsbedürftigen Sporthalle an der Jahnstraße erheblich. Von der Pendelei nach Bettenhausen sind vor allem die Schüler der Jahrgangsstufen 12 und 13 betroffen. „Die Schüler der Jahrgangsstufe 11 versuchen wir hier zu unterrichten“, berichtet Sauer im Gespräch mit der HNA.

Die älteren Schüler dagegen müssen sich am Unterneustädter Kirchplatz in die Straßenbahn setzen, von dort zur Haltestelle Leipziger Platz fahren und die restliche Strecke bis zur Olebachhalle zu Fuß gehen. Motorisierte Schüler können auch mit dem Auto oder dem Motorrad nach Bettenhausen fahren. 

Nach zwei Unterrichtsstunden machen sie sich dann mit Bahn oder eigenem fahrbaren Untersatz wieder auf den Rückweg. „Oft hängen die Schüler im Verkehr fest“, weiß Oberstudiendirektor Sauer. Insgesamt fallen die sportlichen Aktivitäten kürzer aus, weil Hin- und Rückweg von der Unterrichtszeit abgehen.

Beim Neujahrsempfang präsentierte Sauer Vize-Landrätin Susanne Selbert (SPD) jüngst seinen Wunschzettel für die Herderschule. Darauf steht ganz oben die Lösung des Hallenproblems. Dass diese so lange auf sich warten lässt, versteht Sauer nicht. Schließlich habe der Landkreis Kassel nach der Übernahme der Schule von der Stadt Kassel acht Millionen Euro in die Sanierung der aus den 1950er-Jahren stammenden Gebäude an der Maulbeerplantage investiert.

Unter den 620 Schülern erfreue sich Sport auch als Abitur-Leistungsfach großer Beliebtheit, sagt Sauer. Die Folge: Es wurde ein dritter Leistungskurs eingerichtet.

Beim Landkreis kann man dem Schulleiter keine große Hoffnung machen, dass sich die unbefriedigende Hallensituation kurzfristig ändern wird. „Ich kann kein Jahr nennen“, erklärte Verwaltungssprecher Harald Kühlborn auf HNA-Anfrage. Er beziffert die Kosten für den von Schulleiter Sauer geforderten Bau einer Dreifeldhalle an der Herderschule mit mindestens 2,5 Millionen Euro.

Kühlborn verweist auf die strikten Sparvorgaben des Regierungspräsidiums. Der Landkreis Kassel dürfe für Investitionen nur so viel Geld aufnehmen, wie Altschulden getilgt werden. Im laufenden Jahr betrage die Summe 5,5 Millionen Euro. Auch sei es nicht mehr zulässig, den Neubau über eine sogenannte Öffentlich-Private Partnerschaft (ÖPP) zu stemmen. Dieses Modell hatte der Landkreis genutzt und in den vergangenen Jahren im großen Stil Schulen instand gesetzt.

Von Peter Ketteritzsch

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