Die Künstler Bernd P. R. Winter und Horst Mengel begeisterten in Espenau mit einer Hommage ans alte Berlin

Mit Herz, Gesang und Schnauze

Brillierten mit Berliner Programm: Die Kasseler Künstler Horst Mengel (links) und Bernd P. R. Winter. Fotos: Kuberczyk-Stein

Espenau. Ach ja, Berlin. Eine Stadt wie eine Liebesbeziehung, die man nie vergisst. Besonders für die 1920er- und 1930er-Jahre gilt das. Für das Flair des alten Berlin. Mit seinen Hinterhöfen, Kaffeehäusern, Varietés, Plätzen und Bars – und mittendrin: der Berliner. Einer der sagt, was er denkt und trotz seiner großen Klappe doch jede Menge Herz zu verschenken hat.

Die beiden in Kassel lebenden Künstler Bernd P. R. Winter und Horst Mengel haben aus den goldenen Berliner Zeiten ein wunderbares Programm gemacht. Eine Hommage mit Herz und Schnauze, mit Pfiff und Gefühl und - wie dürfte es anders sein - jeder Menge Anekdoten, Ohrwürmern und Gassenhauern aus dieser Zeit.

Im Rahmen der „Espenauer Kulturtage“ gastierten die beiden am Freitag mit ihrem Programm „Berlin - na, plusta dir ma nich so uff“ im voll besetzten Wickehof. Gleich zum Auftakt Paul Linckes fast schon zur Hymne gewordene Liebeserklärung „Das ist die Berliner Luft“. Viele andere folgten: „Bis früh um fünfe, kleine Maus“, „Püppchen, du bist mein Augenstern“, Otto Reuters Ratschlag „Nehmen se doch ’nen Alten“, „Denkst du denn, du Berliner Pflanze“. Auch dabei: „Die Männer sind alle Verbrecher“ – besonders vom weiblichen Publikum mit lachender Zustimmung quittiert. Gesungen wurden die Lieder von Horst Mengel. Wie er sie rüberbrachte, mal schmachtend schmalzig, mal rotzig frech, brachte das Publikum rasch in Mitsing-Stimmung. Nebenbei gesagt spielte er auch noch prächtig Keyboard, Akkordeon und Saxofon.

Nicht minder großartig: Bernd P. R. Winter – die Seele des Programms, das Herz, die Schnauze. Kleine Geschichten, Anekdoten, Couplets von berühmten Berlinern, pfiffigen Wortakrobaten wie Otto Reuter, Klabund (eigentlich Alfred Henschke) oder Kurt Tucholsky gab er zum Besten. Ebenso Erinnerungen an seine Großmutter, die in Berlin lebte. Großes Erzählkino – warm und augenzwinkernd pointiert. Das Publikum klebte an seinen Lippen, schmunzelte, lachte, war gerührt - fühlte das alte Berlin, war an diesem Abend mittendrin. Viel Applaus, drei Zugaben zum Mitsingen.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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