Hessentag „light“ war im Gespräch

Hessentag-Aus: Nach Erneuerung seiner Bewerbung hatte Vellmar zu kämpfen

Vellmars Wahrzeichen: Der Ahnepark gehört zu Vellmars schönsten Fleckchen. Hier eine Luftaufnahme, die im Hintergrund den Stadtteil Obervellmar zeigt. Foto: Germandi

Vellmar. Dass der Weg zum Hessentag in Vellmar ein steiniger werden würde, war allen Beteiligten spätestens am Montag, 17. Dezember 2008, klar: An diesem Abend entschieden die Vellmarer Stadtverordneten zwar mit breiter Mehrheit - nur die Grünen stimmten mit Nein -, die Bewerbung aufrechtzuerhalten.

Denn nur diese breite Mehrheit war Garant dafür, dass Vellmar im Rennen blieb. Das hatte die Landesregierung im Vorfeld unmissverständlich klar gemacht.

Aber schon damals bröckelte die Einheitsfront. Die CDU stimmte nur zähneknirschend zu, weil sie nicht als Spielverderber dastehen wollte. In Wahrheit standen viele christdemokratische Stadtverordnete dem Hessentag kritisch gegenüber.

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Allen voran der Fraktionsvorsitzende Dr. Burkard Müller. Als in der HNA schon darüber debattiert wurde, ob der Bruchberg am Herkules-Einkaufszentrum für die Landesausstellung geeignet oder der Rathausplatz eine Option für Aktionsbühne und Weindorf sei, kamen kritische Stimmen. Anfang Dezember 2009 meldete sich Müller zu Wort und fragte an, ob der Hessentag in Zeiten von Wirtschaftskrise und Haushaltsdefiziten in seiner jetzigen Form nicht eine Nummer zu groß geraten und Vellmar eher ein Kandidat für eine „Light-Version“ sei.

Als die Grünen dann im März 2010 einen - im Endeffekt erfolglosen - Antrag einbrachten, Vellmar möge den Hessentag zurückgeben, war klar, dass an eine ruhige Vorbereitung nicht mehr zu denken war. Erst recht nicht mehr, als Bürgermeister Dirk Stochla Mitte Dezember 2010 eine erste Zahl für das zu erwartende Defizit in den Raum stellte: 3,5 Millionen Euro könnten es sein. Auch deswegen kam weitere Unruhe auf, weil jeder wusste, der sich mit Hessentagen beschäftigt hatte, dass das Minus am Ende meistens noch größer wird.

Hinzu kam, dass es die Stadtverwaltung versäumte, genügend konkrete Projekte zu nennen, in die die üppigen Fördergelder des Landes investiert werden sollten. Da standen nur der Neubau der Musikschule Chroma im Raum und die Sanierung des Bürgerhauses Obervellmar.

Das führte dazu, dass die Investitionssumme von 23 Millionen Euro, die die Stadt für die Sanierung des Rathauses und den Neubau des Parkdecks im Rahmen eines Masterplans aufbringen wollte, die Investitionen des Landes in den Hessentag überlagerte - obwohl der Masterplan mit dem Fest der Hessen gar nichts zu tun hatte. Das dürfte der Anfang vom Ende für den Hessentag 2013 gewesen sein.

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