Chirurgen mit schwerem Gerät

Hessische Waldarbeitsmeisterschaften: Sport für starke Männer

Lohfelden. Erwin Drescher aus Jesberg fixiert die beiden dicken Baumstämme, wartet auf das Startzeichen und schiebt entschlossen das schützende Visier vor sein Gesicht. Die Motorsäge in seinen Händen heult ohrenbetäubend auf. Der Forstwirt sprintet zu den Stämmen, ein entschlossener Schnitt von unten, dann von oben.

Sägemehl spritzt zur Seite, dann fällt die Baumscheibe auf den Rasen. Das Publikum applaudiert. Ein präziser Schnitt? „Wollen wir mal sehen, was die Schiedrichter meinen“, sagt Drescher gelassen.

Kraft, Präzision, ein gutes Auge und ein geradezu chirurgisches Talent: Das braucht, wer bei den hessischen Waldarbeitsmeisterschaften ganz vorn dabei sein will. Davon überzeugten sich am Samstag und Sonntag einige Hundert Schaulustige auf der Wiese hinter dem Löwenhof in Lohfelden, die das von der Gemeinde Lohfelden ausgerichtete Spektakel aus rasselnden Ketten, heulenden Motoren und fallenden Bäumen mit verfolgten. Dabei ging es beim glatten senkrechten Schnitt oft um Millimeter. Die Schiedsrichter kontrollierten ihn mit Schieblehre und Winkelwasserwaage.

„So etwas sieht man nicht alle Tage“, sagt Besucherin Christina Bartl aus Vollmarshausen, als sie mit ihrem Mann Sascha beobachtet, wie ein Wettbewerber mit seiner Motorsäge einen 21 Meter hohen Fichtenstamm mit mehreren komplizierten Schnitten so geschickt abtrennt, das dieser genau den Zielpfahl trifft. Die Erde zittert, als der Stamm aufschlägt.

Kettensägen-Meisterschaften in Lohfelden

Kettensägen-Meisterschaften in Lohfelden

Sascha Bartl ist ebenfalls rein aus Neugier da. Wenn er selbst mal einen Baum absägen müsse, habe er einen Freund, der etwas davon versteht.

Ein paar Meter weiter schauen sich Jörg Siebert aus Hessisch Lichtenau und Björn Gundlach aus Witzenhausen das Spektakel mit den Augen des Fachmanns an. „Das muss jeder Waldarbeiter im Alltag beherrschen. So exakt arbeitet keine Maschine“, sagt Siebert. Er fällt wie Gundlach seit 25 Jahren Bäume im Wald.

Vom Baumfäll-Wettbewerb beeindruckt: Sascha und Christina Bartl aus Vollmarshausen.

Der Kettensägensport ist schon wegen des Gewichts des Arbeitsgeräts vor allem etwas für starke Männer. Doch die einzige Frau im Wettbewerb, Francesca Zahnreich aus Göttingen, bietet ihnen erfolgreich Paroli. Der zierlichen 24-jährigen Forstwirtschaftsstudentin sieht man nicht an, dass sie 2011 bei den hessischen Meisterschaften einen dritten Platz belegte. Für sie ist der Umgang mit der Säge reiner Sport.

Als Försterin werde sie später das Gerät nicht brauchen, sagt sie.

Von Peter Dilling

Rubriklistenbild: © Dilling

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