Protestaktionen angekündigt

Heckershäuser Gewerbetreibende gegen geplanten Rewe-Markt

Betreibt eine Fleischerei in Weimar: Fritz Frölich.

Ahnatal. Die Nachricht traf viele Ahnataler unvorbereitet und schockte die ortsansässigen Gewerbetreibenden: Nach HNA-Informationen plant die Rewe Gruppe Region Mitte den Bau eines Einkaufsmarktes am Heckershäuser Ortsausgang.

Daher lud die Ahnataler Grünen-Fraktion jetzt zu einer Diskussionsrunde zu dem Thema ein.

24 Besucher, darunter zahlreiche Gewerbetreibenden, aber auch Bewohner der beiden Ortsteile, erschienen zu dem Meinungsaustausch. Schnell wurde klar, dass die Besucher in einer breiteren Produktpalette und einer weiteren Versorgung des Ortsteils Heckershausen durch einen Einkaufsmarkt nicht nur Vorteile sahen.

„Die Heckershäuser Ortsstrukturen geben so einen Markt nicht her. Hier geht es nur um Verdrängung“, meinte Ulrike Jähnig-Frölich, Inhaberin der Helfenstein-Apotheke im Ortsteil. Ihr Ehemann Fritz Frölich, Inhaber der Weimarer Fleischerei, ergänzte: „Letztlich entscheidet der Verbraucher und der Wähler über den Einkaufsmarkt. Es muss aufgeklärt werden, welche Folgen ein solcher Neubau hat.“

Kaum jemand würde zu einem Markt am Ortsrand von Heckershausen laufen und mit Einkaufsmöglichkeiten, die mit dem Auto zu erreichen sind, sei man durch die Geschäfte in Weimar und Vellmar bestens versorgt,war die vorherrschende Meinung.

Daher müsse das Ziel lauten, den Edeka-Markt in Heckershausen zu erhalten, dessen Inhaber Karl-Heinz Ostruznjak 2014 in Rente gehen könnte. Andernfalls hätten die Geschäfte im Heckershäuser Ortskern kaum Überlebenschancen. Auch Weimar sei von einer neuen Konkurrenz durch einen Rewe-Markt betroffen. „Im schlimmsten Fall gehen die Kundenzahlen zurück und das hätte Entlassungen oder eine Schließung zur Folge“, meinte Weimars Edeka-Inhaber Egon Ackermann.

Auch Holger Eckhardt, Vorsitzender des Ahnataler Gewerbevereins, machte aus seiner Ablehnung gegen den Plan der Rewe keinen Hehl und kündigte Protestaktionen an. Durch Umfragen solle zunächst ein Meinungsbild erstellt werden, dann könnten Flyer verteilt oder sogar einige Stunden die Arbeit in den Geschäften niedergelegt werden. Dadurch könne für den Erhalt der Geschäfte im Heckershäuser Ortskern demonstriert werden.

Auch von den Bürgern, die keine Gewerbetreibenden sind, hagelte es Kritik. „Ich habe kein Interesse daran, dass ein Markt im Ortskern, der für alle Bürger unabhängig ihres Alters gut erreichbar ist, schließen muss und stattdessen eine Grünfläche zubetoniert wird“, sagte Besucher Ulrich Bach. Fotos: Kisling

Das sagen die Ahnataler Fraktionen

Die SPD-Fraktion ist noch unentschlossen darüber, ab man sich für oder gegen einen neuen Rewe-Markt aussprechen soll. Sorge bereite die Konkurrenz für die bisher bestehenden Märkte in Heckershausen und Weimar. „Es könnte ein ruinöser Wettbewerb entbrennen und in der Folge eine Bauruine in Weimar oder Heckershausen zu besichtigen sein“, mahnt Fraktionsvorsitzende Iris Schmidt. Andererseits sei in allen Ortsteilen eine wohnortnahe Einzelhandelsversorgung wichtig. Schmidt warnt vor voreiligen Entschlüssen und schlägt vor, über Alternativen bei der Bebauung der möglichen Flächen zwischen Ortsrand und Rasenallee nachzudenken. Dort seien auch neue Wohngrundstücke denkbar.

Die CDU-Fraktion wünscht sich eine klare Aussage seitens der Edeka und würde die Nahversorgung in der Heckershäuser Ortsmitte vorrangig unterstützen. Allerdings sei der Vorstoß von Rewe nachvollziehbar. Unter Druck setzen lassen wolle man sich nicht, sagt Fraktionsvorsitzender Rüdiger Reedwisch. Und betont, dass „die absehbare Bevölkerungsentwicklung in Heckershausen auf jeden Fall ein Nahversorgungsangebot verlangt, ganz gleich ob in der Ortsmitte oder einige 100 Meter weiter am Ortsrand.“

Die Grünen lehnen den Bau eines neuen Rewe-Marktes klar ab. „Betrachtet man ganz Ahnatal, sehen wir keine Unterversorgung. In Heckershausen muss der Ortskern gestärkt werden, ein Rewe würde für den Edeka-Markt in der Ortsmitte den Todesstoß bedeuten“, meint Fraktionsvorsitzende Anja Käkel. Daher fordern die Grünen, dass die Gemeinde Druck auf die Edeka-Kette macht, um eine klare und verlässliche Aussage bezüglich des Fortbestehens des bisherigen Marktes zu erhalten.

Für den Neubau eines Supermarktes müsste die Gemeindevertretung einem geänderten Nutzungsplan der Grünfläche zustimmen. (ptk)

Von Tobias Kisling

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