In Schweden längst bekannt: Das Papacafé

Hier sind Papas ganz unter sich

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Haben eine innige Beziehung: Der zweieinhalbjährige Alexander beim Rutschen mit seinem Papa Per Thon.

Baunatal. Zehn Männer im Kaffee - in Schweden würde niemand fragen, was sie dort machen. In Baunatal schon. Das wundert den 36-jährigen Per Thon. Der gebürtige Schwede besucht mit seinem zweijährigen Sohn Alexander regelmäßig das Papacafé in Baunatal.

Thon ist einer von insgesamt 448 Männern aus dem Landkreis, die im vergangenen Jahr Elterngeld beantragt haben - ein Anstieg von 13,7 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Das geht aus den Zahlen des zuständige Regierungspräsidium in Gießen hervor. Für Thon sei diese Möglichkeit, abgesehen von der Liebe zu seiner deutschen Frau Susanne, ein ausschlaggebende Punkt gewesen, seine Familie in Deutschland zu gründen. „Für mich war das eine tolle Möglichkeit neue Leute kennen zu lernen“

Immer samstags von 9.30 bis 11.30 Uhr trifft Thon zehn Gleichgesinnten im Baunataler Papacafé der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Dass immer mehr Väter im Beruf eine Pause einlegen, um ganz für ihre Kinder da zu sein, könnte ein Grund für die steigende Zahl der Antrgäe auf Elterngeld in Stadt und Kreis von 4035 im Jahr 2010 auf 4161 im vergangenen Jahr sein.

Thon hat seine Elternzeit aufgeteilt. Nach der Geburt seines Sohnes hatte er zunächst zwei Monate Elternzeit genommen. Diese Dauer belegt den zweiten Platz in der Rangliste der Bezugszeit. Meist sind es die Väter, die ihren Job nur kurzzeitig unterbrechen.

Das war bei Thon anders. Als Alexander sechs Monate alt war, nahm er die restlichen vier Monate Elternzeit. Für seinen Arbeitgeber VW sei das kein Problem gewesen. Auch Controler Jean Escher, der das Papacafé mitgegründet hat, war in Elternzeit. Bevor sich die Papas zu Themen wie Elternzeit und Fußball austauschen, wird der Raum der Familienbildungsstätte verwandelt. Matratzen werden ausgelegt, Rutschbahnen aufgebaut und Spielzeug verteilt.

Die Idee für das Papacafé entstand bei der Awo. Eschers Frau Inecke, die dort arbeitet, sprach ihren Mann darauf an. Escher war begeistert. Bis zum ersten Treffen im Café verging kaum ein halbes Jahr. „Für mich war das eine tolle Möglichkeit neue Leute kennen zu lernen“, sagt Ingenieur Thon. „Ich habe Spielgruppen besucht in denen ich oft der einzige Mann war“, erzählt er. Ob er irgendwann Ablehnung erfahren hat? „Nein“. Nur ein Rentner habe ihm im Vorbeigehen einmal zugerufen: „Hier macht die Mama das Geld“.

Von Diana Surina

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