Testzentrum des Fraunhofer Iwes: Grüner Abgeordneter Omid Nouripour besuchte Konversionsprojekt

Hier soll bald der Strom fließen

Im Aufbau: Regenerative Energie will das Fraunhofer Iwes aus Kassel in Rothwesten unter anderem mit unterschiedlichen Fotovoltaik-Modulen erzeugen, um das Verhalten im Netz zu erforschen. Noch sind die meisten Ständer leer. Archivfoto:  Schräer

Fuldatal. Die Pläne, die jetzt das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (Iwes) verfolgt, bestehen seit Frühjahr 2007. Sie bekommen vor dem Hintergrund der aktuellen Katastrophe in Fukushima und der Diskussion um die Atompolitik in Deutschland aber eine ganz neue Dimension. Im Bereich der Fritz-Erler-Anlage in Rothwesten baut Fraunhofer IWES derzeit ein Testzentrum für regenerative Energien.

Mit dem Projekt startete vor vier Jahren die Konversion des ehemaligen Kasernengeländes. Jetzt informierte sich der Grünen-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour (Frankfurt) über die Pläne und den Fortschritt der Arbeiten. Nouripour ist Mitglied in Haushalts- und Verteidigungsaussschuss. Eine „klasse Sache und sehr sinnvolle Nutzung ehemaligen Militärgeländes“, meinte der Grüne.

Von Dr. Philipp Strauß, beim Fraunhofer Iwes Bereichsleiter für Anlagentechnik und Netzintegration, erfuhr Nouripour allerdings auch, dass es in der Umsetzung der Pläne hakte. Zum Beispiel im Bereich Infrastruktur wegen fehlender Anschlüsse für Wasser, Gas oder Telekommunikation.

Auch habe sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Verkäufer der rund zehn Hektar großen Fläche wenig entgegenkommend gezeigt. So trage das Institut als Käufer das Risiko möglicher Altlasten im Untergrund. Für Nouripour ein Beleg, dass Investoren gegenüber der Bima ein besonderes Durchhaltevermögen brauchen, „um dem Staat einen Gefallen zu tun“ und ehemalige militärische Flächen zivil zu nutzen. „Das ist nicht in Ordnung.“ Inzwischen ist ein Gebäude mit zwei Hallen weitgehend fertig, Investitionssumme: 1,5 Millionen Euro. In den Hallen sollen später zum Beispiel kleine Blockheizkraftwerke getestet werden, sagt Dr. Thomas Degner vom Fraunhofer Iwes, Leiter des Projektes in Rothwesten. Außerdem werden noch Fotovoltaik-Module auf Ständern und am Gebäude installiert, Windkraftanlagen bis zu einer Höhe von 60 Metern errichtet. Es wird eine 100 Meter lange Teststrecke für die Kopplung von Elektromobilität geben, bei der die Elektrofahrzeuge über den Fahrweg mit Energie versorgt werden. Und in dem Gebäude wird die Leistungsfähigkeit von Batterien in Elektromobilen auf einem Rollenprüfstand erprobt. In die technische Grundausstattung fließen drei Millionen Euro an Bundesmitteln.

Intelligente Netze

Aber nicht nur einzelne Komponenten hat das Institut auf dem Gelände in Rothwesten im Blick, sondern auch ihr Zusammenspiel. Stromnetze bis 20 000 Volt werden mit den Anlagen simuliert. Auf dem Weg zu intelligenten Netzen, die Strom speichern und bedarfsgerecht abgeben, wie Philipp Strauß betont. Denn: „Früher speisten einige Hundert Kraftwerke Strom ins deutsche Netz ein. In der Zukunft werden es einige Millionen sein, die regenerative Energie erzeugen.“

Von Michael Schräer

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