19 Geräte sind jetzt Teil der stadtweiten Aktion

„Herzsicheres Vellmar“ bekam weiteren Defibrillator: Für Hilfe im richtigen Moment

Freuen sich über neuen Defi: Volker Schröder (Vorsitzender Handwerker- und Gewerbeverein, von links) übergab den Projektbetreuern Wolfhard Eidenmüller (Stadt Vellmar) und Dr. Samir Ragab das neue Gerät, das im Eingangsbereich der Sporthalle angebracht wird. Fotos: C. Hartung

Vellmar. Plötzlich schlägt der Puls unregelmäßig, das Herz beginnt unkontrolliert zu zittern - lebensbedrohliches Kammerflimmern. Jetzt zählt jede Sekunde. Jährlich sterben rund 150.000 Menschen in Deutschland am plötzlichen Herztod. Der rechtzeitige Einsatz eines Defibrillators bei einer solchen Herzattacke kann Leben retten.

Der Handwerker- und Gewerbeverein spendete der Stadt Vellmar jetzt einen AED (Automatisierter externer Defibrillator), der in der Sporthalle in Obervellmar angebracht wird.

„Die Halle gehört zwar dem Landkreis, wird aber auch von vielen Bürgern der Stadt benutzt“, weiß Wolfhard Eidenmüller von der Stadtverwaltung. Gerade deshalb sei es der Stadt ein großes Anliegen, auch die Sporthalle mit einem AED auszustatten. Mit 18 anderen „Defis“ gehört er zur Aktion „herzsicheres Vellmar“.

Bereits 2009 war das Konzept dafür von Eidenmüller, Mediziner Dr. Samir Ragab und DRK-Mitarbeiter Timo Hausotter entwickelt worden. 2011 wurden die ersten Defis installiert - mittlerweile findet man 19 der kleinen Lebensretter an öffentlichen Plätzen und in Gebäuden wie beispielsweise in der Mehrzweckhalle Frommershausen oder in der Esso Station Heidmann.

Genutzt werden sollen sie ausschließlich an den Standorten. „Wir haben Anfragen erhalten, ob man auch einen der AED holen könne, wenn man zu Hause einen Notfall hat“, erläuterte Ragab. Doch das sei nicht Sinn der Aktion. Gebe es zu Hause einen Notfall, dann solle man immer die 112 wählen.

Die einfache Bedienung mit Sprachanweisung mache es nahezu jedem möglich, im Ernstfall mit Hilfe eines Defibrillators aktiv zu werden, sagt Ragab. Trotzdem bietet der Partner der Aktion, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Kassel, Schulungen an. Dies diene insbesondere dazu, um die Hemmschwelle vor der Benutzung des Defis abzubauen und sich erstmalig mit dem Gerät vertraut zu machen, weiß Eidenmüller.

„An jedem Standort gibt es geschulte Personen, die sich immer im Umfeld aufhalten“, erklärte er. Bei Sportstätten seien das unter anderem Gruppenleiter der Kurse, in städtischen Einrichtungen Bedienstete der Stadt.

Insgesamt wurden schon 200 Personen vom DRK ausgebildet. Erst im Dezember nahmen 45 Personen an Einweisungen teil, so Eidenmüller. Etwa 4000 Euro betragen die Gesamtkosten für einen Defi-Standort.

Mit zahlreichen Veranstaltungen informierte das Team bereits über die Aktion. „Die Resonanz ist sehr gut. Die Veranstaltungen finden großen Anklang bei den Bürgern“, freut sich Eidenmüller. Eine wichtige Zwischenbilanz zieht er ebenfalls: „Bisher ist noch keins der Geräte zum Einsatz gekommen - zum Glück.“

HINTERGRUND

Wenn das Herz flimmert

Wenn das Herz unkontrolliert schlägt - über 300 Mal die Minute - spricht man vom sogenannten „Kammerflimmern“. In 80 Prozent aller Fälle ist es Ursache für den plötzlichen Herztod. Bedingt durch das unregelmäßige Zusammenziehen des Muskels wird das Blut nicht mehr durch den Körper gepumpt. Der Betroffene bricht zusammen, einen Puls fühlt man nicht. Genau in diesem Moment kann ein Defibrillator den Herzschlag wieder regulieren. Zwei Elektroden, die auf den Brustkorb des Patienten geklebt werden, geben einen Elektroschock ab. Der sorgt im besten Fall dafür, dass das Herz wieder gleichmäßig schlägt. Die Erfolgsrate der Defibrillation ist stark abhängig von der Zeit: Kommt in den ersten drei Minuten einer Herzattacke ein Defi zum Einsatz, steigen die Überlebenschancen auf über 70 Prozent. (phc)

Von Carolin Hartung

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