Hirschkäfer fliegen auf Kaufungen

Gelandet: Hans Pflüger (7) aus Niederkaufungen staunt über dieses Exemplar.

Kaufungen/Kassel. Für Hans Pflüger war es eine Begegnung, an die er sich wahrscheinlich noch lange erinnern wird: Bei einem Spaziergang in Niederkaufungen entdeckte der siebenjährige Junge unlängst einen kapitalen Hirschkäfer.

Auf dem Foto, das sein Vater an die HNA schickte, balanciert der Junge das Insekt mit den Respekt einflößenden, geweihartigen Mundwerkzeugen auf seiner Hand.

Die Chance, dem größten heimischen Käfer zu begegnen, ist in diesen Tage, an denen die gefährdeten Tiere auf Brautschau sind, vergleichsweise groß. Besonders groß ist sie in Kaufungen. „Von dort gibt es auch 2013 wieder zahlreiche Meldungen“, berichtet Christian Geske, Hirschkäfer-Experte beim Landesbetrieb Hessen-Forst in Gießen. Eine „echte Sensation“ ist nach Einschätzung Geskes, was Ute Hoffmann aus Niederkaufungen beobachtet hat. Im Garten ihres Hauses in der Straße Am Sonnenberg lieferten sich zehn männliche Hirschkäfer einen erbitterten Kampf. Zum Vergleich: Im gesamten Landkreis Kassel wurden laut Hessen-Forst in den vergangenen zehn Jahren nur 120 Hirschkäfer-Beobachtungen gemeldet. In der Siedlung am westlichen Rand von Niederkaufungen sind die Bedingungen für die Käfer offensichtlich sehr gut. Dies liegt laut Geske vor allem an dem Waldstück Hinter den Eichen, das an das ruhige Wohngebiet angrenzt.

Christian Geske

Vor allem alte Eichenwälder sind es nämlich, in denen das beeindruckende Insekt lebt. Dort, so Experte Geske, findet der Hirschkäfer gut geeignete Brutstätten. Und von dort aus unternimmt er seine Ausflüge in die angrenzenden Gärten. Gute Lebensbedingungen für den Käfer gibt es auch im Eichwald in Bettenhausen, einem Waldgebiet, das nur drei Kilometer entfernt von Niederkaufungen auf der anderen Seite der Autobahn 7 liegt. „Dort können im Stadtgebiet von Kassel die meisten Hirschkäfer beobachtet werden“, weiß Geske. Aktuell lägen Hessen-Forst 30 Käfer-Meldungen aus dem Kasseler Osten vor. Wer noch Hirschkäfer zu Gesicht bekommen will, hat dazu dieses Jahr nicht mehr lange Gelegenheit. „Die Saison ist bereits Mitte Juli wieder vorbei“, sagt der Artenschutz-Experte, „daher bietet das kommende, sommerliche Wochenende vermutlich die letzte Chance, die eindrucksvollen Tiere zu sehen.“

Dass die Käfer im Frühsommer überhaupt zu sehen sind, hängt mit ihrem Paarungstrieb zusammen. Geske: „Nachdem sie bis zu acht Jahre als Larven unter der Erde verbracht haben, bleiben den Hischkäfern nur sechs bis acht Wochen, um auf Brautschau zu gehen und die Fortpflanzung sicherzustellen.“

Von Peter Ketteritzsch

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