Bürgerversammlung

Windkraft: Hitzige Diskussion um Rotoren für Schauenburg

Viele Fragen: Herbert Wille äußerte seine Bedenken über die Windkraftpläne in Schauenburg. Das Elgerhaus in Elgershausen war bis auf den letzten Platz besetzt. Fotos: Malmus

Schauenburg. Von der bedrängenden Wirkung von Windrädern über die Verschandelung des Naturpark Habichtswald bis zu Schattenwurf der Rotoren hinein ins eigene Wohnzimmer - die Liste der Argumente der Gegner von insgesamt sieben geplanten Windrädern bei Breitenbach und Elmshagen ist lang.

Bei sovielen Themen hatten die Investoren und Planer während der Bürgerversammlung am Donnerstagabend im Elgerhaus viel zu tun, um dagegen zu halten. Über 300 Bürger im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal zeigten auf jeden Fall eins: Das Interesse an der Entwicklung der Gemeinde ist riesig.

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Lang anhaltenden Applaus erntetet die Gruppe Kritische Bürger von der Mehrheit der Besucher, als sie 1200 Unterschriften gegen die Projekte an Burkard von Kieckebusch, Landwirt aus Hoof und Mitinitiator beider Windparks, übergab. „Wir würden sie bitten, von dem Projekt am Langenberg Abstand zu nehmen“, sagte der Sprecher der Gegner, Götz Bock.  

Bürgermeisterin Ursula Gimmler (CDU) sowie die Experten der Planungs- und Gutachterbüros Cube Engineering, vom Büro für angewandte Ökologie und Forstplanung (BÖF) aus Kassel sowie vom Investor, der Firma GP Joule aus dem nordfriesischen Reußenköge, erläuterten im Gegenzug, warum der Aufbau der Rotoren mit einer Gesamthöhe von 200 Metern (Rotorspitze) sinnvoll sei. „Wir wollen dezentrale Energieversorgung“, sagte Gimmler (CDU).

„Wir wollen, dass wir hier in Schauenburg soviel Energie erzeugen, wie wir verbrauchen.“ Die Bedenken der Bürger waren ganz konkret: Die Gemeinde wolle Energiesicherheit haben, „aber die Umwelt wird zerstört“, sagte Herbert Wille aus Elmshagen. Und Gerhard Baranski befürchtete, dass der Wert der Häuser in der Nähe der Windanlagen um etwa 30 Prozent geringer werde. „Ein Teil unseres Vermögens wird vernichtet.“

Es gebe keine Erkenntnisse darüber, dass es zu einem Wertverlust komme, entgegente Marcus Andresen von GP Joule, der nach eigenen Worten selbst aus einer nordfriesischen Gemeinde mit 70 Windanlagen kommt.

Bat um fairen Umgang: Mitinvestor Gerhard Baronski aus Hoof.

Gleich mehrere Kritiker warfen Gemeindevorstand und Parlament vor, zu spät über die Pläne mit den genauen Standorten der Rotoren sowie deren Dimension informiert worden zu sein. Kritik in der von HNA-Redakteur Peter Ketteritzsch geleiteten teilweise hitzigen und dreieinhalbstündigen Diskussion gab es immer wieder am Planungsverfahren. „Ab welchen Zeitpunkt lagen welche Informationen aus?“, wollte etwa Bärbel Lakner-Kölbel wissen.

Stellvertretender Gemeindevertretundsvorsitzender Dirk Hofmann und Bürgermeisterin listeten die Sitzungstermine und Verfahrensschritte auf, die mit Bürgerbeteiligung und Einsprucksfristen bisher stattgefunden haben.

Eva Marx aus Breitenbach formulierte ihre Befürchtungen gegen die Windkraftpläne aus ihrem privaten Umfeld heraus. Sie sei vor einiger Zeit Mutter geworden, sagte sie. „Wie kann ich mein Kind schützen?“, lautete die Frage in die Runde.

Bedrängende Wirkung, Bedürfnis nach Schutz vor Windanlagen - das sähen sie und die Politiker, die im Verfahren bislang zugestimmt haben, nicht, sagt die Bürgermeiusterin. Im Gegenteil: „Ich freue mich auf die Windanlagen.“

Von Sven Kühling

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