Besucher kritisieren Lossetal-Route

HNA-Lesertreff zur A44: Bund bewegt sich bei Trasse

Kaufungen. „Keine A 44-Trasse im Lossetal“ – diese Forderung von vielen Menschen aus der Region zog sich als leuchtend roter Faden von der vorausgegangenen Protestkundgebung durch den Lesertreff der HNA. 450 Besucher waren in der Gesamtschule Kaufungen dabei.

Doch wie genau die Pläne von Bund und Land für den Bau der Autobahn Richtung Osten aussehen, das blieb durch die Aussagen der Experten auf dem Podium weiterhin ein Stochern im Nebel.

Immerhin: Der Bund scheint sich mit einer vom Land überarbeiteten, gemäßigten Trassenführung – ein Stück weiter abgelegen von den Ortschaften, bedacht mit mehr Lärmschutz – anzufreunden. Auch der von den Bewohnern befürchtete Abbau der B 7 bei Kaufungen und Helsa, der bei Umleitungsverkehr einen Verkehrsinfarkt auf den alten Ortsdurchfahrten zur Folge hätte, soll überdacht werden. Das lassen die Aussagen der Bundestagsabgeordneten Ulrike Gottschalck (SPD) und von Günter Hermann, Abteilungsleiter im hessischen Verkehrsministerium, jedenfalls vermuten.

„Ich habe positive Signale gehört“, sagte Gottschalck auf Frage von HNA-Redakteur Peter Ketteritzsch, der die Veranstaltung gemeinsam mit seinem Kollegen Holger Schindler moderierte. Gottschalck zitierte aus einem Schreiben des Bundesverkehrsministeriums. Demnach werde Berlin dem überarbeiteten Landesentwurf wohl zustimmen.

Das Podium: Die HNA-Redakteure Holger Schindler (links) und Peter Ketteritzsch (rechts) diskutierten mit (v. li.) Arnim Roß, Bürgermeister von Kaufungen, Kassels Baudezernent Christof Nolda, Günter Hermann vom hessischen Verkehrsministerium, Helsas Verwaltungschef Tilo Küthe und der SPD-Bundestagsabgeordneten Ulrike Gottschalck.

Gleiches berichtet Günter Hermann von seinem Chef, Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP). Rentsch habe kürzlich mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) telefoniert. Auch für Ramsauer sei die Variante „vom Ort wegzugehen“ die Lösung. Wann der Bund dieses amtlich mache, fragte Ketteritzsch. „Ich gehe davon aus, noch dieses Jahr“, so Hermanns vorsichtige Prognose.

Für Kassels Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) liegen in dem gesamten Verfahren zu wenig Fakten und Zahlen auf dem Tisch. Eine solche Diskussion, wie beim Lesertreff, könne eigentlich nur auf der Grundlage von Erhebungen und Planungen geschehen, sagte er.

Der Vertreter der Stadt Kassel befürchtet vor allem einen Wegfall der Anschlussstelle Kassel-Ost. Eine alleinige Zufahrt in die Stadt von der A 44 über Kassel-Nord, und die Dresdener Straße wäre absolut überlastet. Als Politiker der Grünen stellte Nolda die A 44-Planungen sogar grundsätzlich infrage.

Kaufungens Bürgermeister Arnim Roß und Helsas Verwaltungschef Tilo Küthe (beide SPD) machten sich an diesem Abend besonders für den Erhalt der B 7 als Umleitungsstrecke stark. „Die Ortsumfahrung muss das Ziel sein“, sagte Küthe. Roß schränkte allerdings ein, dass die Kommunen eine ehemalige Bundesstraße nicht allein unterhalten könnten. Ohne finanziellen Ausgleich von Land und Landkreis werde das nicht funktionieren.

Bei den A 44-Planungen sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, sagte Günter Hermann den 450 Besuchern zum Ende. Entscheiden werde letztendlich der Bund. „Der bestellt das Ganze.“

Ein Video folgt.

Stimmen der Besucher und den geplanten Verlauf der Autobahn 44 von Kaufungen nach Helsa finden Sie in der gedruckten Wochenendausgabe.

Fotos vom Lesertreff und der Demo im Vorfeld

Fotos vom HNA-Lesertreff zum Bau der A44 in Kaufungen

Rubriklistenbild: © Dilling

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