Vellmars Bürgermeister geht

Kommentar zum Abgang von Dirk Stochla: Streitbarer Kämpfer

Michael Schräer

Vellmars Bürgermeister Dirk Stochla (SPD) hört nach zwölf Jahren auf. Eine Bilanz seiner Amtszeit zieht HNA-Redakteur Michael Schräer.

Zwölf Jahre war Dirk Stochla Bürgermeister von Vellmar. Die Bilanz seiner Amtszeit fällt zwiespältig aus, sie wirkt wie eine des Übergangs in der SPD-geprägten Stadt. Als 30-Jähriger übernahm der Vellmarer Stochla das Amt des Verwaltungschefs von Kurt Stückrath. Einem Bürgermeister alter Prägung, unangefochten - parteiintern und in der Kommune. Kritik glich einer Majestätsbeleidigung.

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In diesem Umfeld lernte Dirk Stochla Verwaltung, wurde als Nachfolger aufgebaut und „erbte“, wenn auch von den Bürgern direkt gewählt, den Chefposten. Er konnte und wollte es seinem Vorgänger nicht gleichtun. Und schlug sich damit achtbar. Allerdings wurden Bedingungen und finanzielle Situation für die Stadt schwieriger.

So ließ sich zum Beispiel das Kulturzentrum, ein Lieblingsprojekt Stochlas, nicht durchsetzen, trotz SPD-Mehrheit im Parlament. Wobei sich die Erkenntnis beim Bürgermeister spät einstellte. Schließlich wollte er nur das Beste für seine Stadt, hatte lange Für und Wider abgewogen, dann seine Position klar und konsequent vertreten.

Diese, seine Art sollte ihm bei der Sanierung von Rathaus und Parkdeck zum Verhängnis werden. Bis heute ist unklar, ob Stochlas Vorschlag, beide Gebäude auf Zeit an eine Gesellschaft abzutreten und saniert zurückzumieten, nicht die sinnvollste, weil kostengünstigste Variante war. Nur fühlten sich viele Bürger überfahren und zeigten die Rote Karte. Dennoch hätte die Mehrheit ihn wiedergewählt. Auch oder gerade weil er sich traute, den Hessentag aus Kostengründen zurückzugeben. Den streitbaren Kämpfer Dirk Stochla hatten viele Auseinandersetzungen aber längst zermürbt. Eine Warnung an Nachfolger und SPD: Auch eine Mehrheitspartei muss die Menschen mitnehmen.

Mail an den Autor: mic@hna.de

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