Rettungskräfte waren im Dauer-Einsatz

Keller, Plätze und Straßen überschwemmt: Hochwasser-Lage entspannt sich in der Region

Vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume, gesperrte Straßen: Nach heftigen Niederschlägen hat sich die Hochwasserlage in Nordhessen und Südniedersachsen am Mittwochabend entspannt. Ein Überblick.

Aktualisiert um 21.09 Uhr: Tief Alfred, das in Deutschland vielerorts für starke Regenfälle sorgte, zieht gen Osten ab. Der Regen hört auf, die Hochwasserlage entspannt sich.

Besonders betroffen vom Dauerregen der vergangenen Tage waren auch Teile der Region, darunter Südniedersachsen und Regionen Hessens. Hier fielen binnen 48 Stunden verbreitet mehr als 100 Millimeter Regen - und damit teils deutlich mehr als sonst in einem gesamten Juli. 

Die starken Regenfälle hatten Einsatzkräfte in der Region in Atem gehalten. In Nordhessen und Südniedersachsen hat der Regen viele Schäden verursacht. Unser Überblick mit der Lage in der Region:

++ Stadt und Landkreis Kassel ++

Überflutete Wege, gesperrte Straßen – die heftigen Regenfälle haben in Raum Kassel Spuren hinterlassen. 

Am Mittwochnachmittag wurde die  Dennhäuser Straße wegen Erdrutschgefahr voll gesperrt. Der Böschungshang hinter dem Ludwig-Noll-Krankenhaus auf der Straße zwischen Kassel und Fuldabrück sei aufgrund der anhaltenden Regenfälle instabil geworden und bereits ins Rutschen gekommen, teilte die Stadt Kassel mit. Wie lange die Vollsperrung bestehen bleibt, sei nicht absehbar. 

Mittlerweile hat sich die Hochwasserlage aber entspannt: Es habe seit dem Mittag keine Einsätze der Feuerwehren mehr gegeben, sagte ein Sprecher der Berufsfeuerwehr Kassel. Die Pegel der Fulda sanken leicht. Von Dienstagabend bis Mittwochmorgen hatte es laut Feuerwehr mehr als 34 Einsätze gegeben. Es waren vor allem kleinere Flüsse - wie die Losse in Kaufungen -, die in der Nacht über die Ufer getreten waren. Mit Sandsäcken errichteten Feuerwehren Barrieren gegen das Wasser. Hochwasseralarm habe man für Anwohner aber nicht geben müssen, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Laut den Einsatzkräften war aufgrund des Regens der Boden so aufgeweicht, dass am Mittwochmorgen mehrere Bäume umfielen. Sie blockierten Straßen und beschädigten die Oberleitung einer Straßenbahn. Verletzt wurde niemand.

Alle aktuellen Infos zum Hochwasser, Straßensperrungen und Einsätzen finden Sie aktuell bei Kassel-Live.

Aufgrund der nassen Fahrbahn kam es zu Verkehrsunfällen: In Stadt und Landkreis Kassel wurden innerhalb von 48 Stunden 44 Unfälle mehr gemeldet als im Vergleichszeitraum in der vergangenen Woche: 119 Verkehrsunfälle haben sich ereignet. Einer der Hintergründe könnte laut Polizei der Dauerregen sein: Nicht angepasste Geschwindigkeit führe bei Nässe immer wieder zu Unfällen. Auf der A7 zwischen Kassel-Nord und Kaufungen blockierte unter anderem ein verunglückter Lastwagen die Autobahn Richtung Norden. 

Am Mittwochmorgen stürzte ein Baum in der Kasseler Weserstraße um und blockierte die Straße, er wurde mittlerweile entfernt. Ein weiterer Baum, der in unmittelbarer Nähe zur Unfallstelle steht, droht ebenfalls umzustürzen - er muss gefällt werden.

Nach dem Oberleitungsschaden vom Dienstagabend ist die Tramlinie 4 (Lossetal) noch bis Donnerstagnachmittag gesperrt. Das teilte KVG-Pressesprecherin Heidi Hamdad am Mittwochnachmittag mit.  Da ein Baum auf die Oberleitung gestürzt ist, konnten außerdem die Linien 3, 6 und 7 nicht verkehren. Der Abschnitt Katzensprung - Weserspitze ist für Bahnen mittlerweile wieder freigegeben, der Ersatzverkehr wird eingestellt. Die Sperrung der Linie 17 von Dennhausen nach Dittershausen dauert noch an.

Gefährlich hoch: Die Brücke am Kirchweg wurde gegen 19 Uhr gesperrt, nachdem der Wasserpegel den Brückenbogen erreicht hatte.

In Kaufungen können Feuerwehr und Bürger mittlerweile wieder durchatmen: Die Mauern aus Sandsäcken, die Feuerwehrleute aus Kaufungen errichtet haben, konnten das Wasser bislang von den Häusern fernhalten. 

In Niestetal sorgte der Dauerregen für Chaos - mittlerweile hat sich die Lage aber wieder beruhigt. Zwei Keller wurden ausgepumpt, ein Auto musste aus den Fluten im Bereich des Schwimmbadparkplatzes geborgen werden, der Sandershäuser Sportplatz wurde überflutet. Bis 3 Uhr nachts waren 60 Personen im Einsatz.

Dauerregen sorgt für Hochwasser: Bilder aus dem Kreis Kassel

In Helsa und Vellmar war die Lage ruhig, in Lohfelden sank der angestiegene Wasser-Pegel wieder.

Der Dauerregen hat auch die Flüsse im Kreisteil Hofgeismar stark ansteigen lassen und teilweise für Überschwemmungen in Wahlsburg, Hofgeismar und Bad Karlshafen sowie Straßensperrungen gesorgt. Das Fahrgastschiff Hessen und die Fähre Lippoldsberg konnten nicht fahren. 

Hier finden Sie weitere Details zu den Schäden in Stadt und Landkreis Kassel. 

++ Hann. Münden ++

In Hann. Münden standen Straßen unter Wasser, einige Keller und Garagen liefen voll. Besonders angespannt war die Lage in Dransfeld. In Dahlheim ist die Nieste über das Ufer getreten und hat die Witzenhäuser Straße und die Sensensteinstraße überflutet. Die Feuerwehr musste das Wasser abpumpen. 

Die Werra in Hann. Münden auf Höhe Dielengraben am Morgen des 26.7.2017: Hoher Wasserstand, aber noch kein Hochwasser.  

Wie die Stadt Hann. Münden mitteilt, war   die Landesstraße 561 zwischen Hann. Münden und Hemeln gesperrt. Eine Umleitung war nur weiträumig möglich und wurde ausgeschildert.

Die Kläranlage Uschlag war teilweise übergelaufen, auch hier war die Feuerwehr im Einsatz. In Uschlag waren einige Straßen nahe der Nieste überflutet. Am Bauhof Landwehrhagen wurden über 600 Sandsäcke gefüllt und an die Schadenstellen ausgeteilt. Weitere Infos gibt es hier.

++ Hersfeld-Rotenburg ++

Von Überschwemmungen und Hochwasser war der Landkreis Hersfeld-Rotenburg trotz des anhaltenden Regens  verschont geblieben. In der Nacht zu Mittwoch musste die Feuerwehr im Bad Hersfelder Stadtteil Sorga einen Keller auspumpen. Auf der Autobahn 4 musste ein umgestürzter Baum geborgen werden. 

Nach ersten Erkenntnissen ist das Wetter zumindest indirekt für zwei Unfälle in Niederaula ausschlaggebend gewesen. An einer Kreuzung auf der B62 zwischen Niederaula und Niederjossa stießen am Mittwochmorgen zwei Autos zusammen. Drei Menschen wurden verletzt. 

Auf der A7 stürzte ein Lkw um und blockierte die Fahrbahn zwischen dem Hattenbacher Dreieck und dem Kirchheimer Dreieck über Stunden. Grund soll zwar nicht der Starkregen selbst, möglicherweise aber die nasse Fahrbahn sein. 

Die Feuerwehr im Kreisteil Rotenburg musste gar nicht wetterbedingt ausrücken. „Wir haben hier zwar einen andauernden Landregen, aber kein Unwetter“, sagte Sprecher Dirk Riemenschneider.

++ Werra-Meißner-Kreis ++

Trotz des Dauerregens seit Montag ist die Lage im Werra-Meißner-Kreis an der Werra und ihren Nebenflüsschen bislang entspannt. Lediglich für die Wehre bei Wehretal-Hoheneiche liegt seit Mittwochmorgen die Meldestufe 1 vor, die niedrigste von drei „Hochwasser-Stufen“.

Dennoch wird, nachdem die Werra sich in ihrem Bett sichtlich erhebt, am Wanfrieder Hafen kurzfristig das beliebte Schiff „Wisera“ vorsorglich per Kran aus dem Wasser gehoben. 

Am härtesten dürfte es eine Firma an der Mündener Straße getroffen haben. Dort stand das Erdgeschoss des Betriebes unter Wasser, nachdem es im Sturzbach von einem Flachdach gefallen und ins Innere geflossen war.

++ Schwalm-Eder-Kreis ++

Der ergiebige Regen hat die Pegelstände der Bäche und Flüsse im Landkreis Schwalm-Eder anschwellen lassen, zu Behinderungen durch Überschwemmung kam es hier nur auf einigen Nebenstrecken. Laut eines Sprechers des Wasserverbandes Schwalm (Schwalmstadt) fielen binnen von knapp drei Tagen 70 Liter Regenwasser pro Quadratmeter, so viel wie im Durchschnitt im Monat Juli. Seit Mittwoch seien die Pegelstände aber wieder im Fallen begriffen, die Niederschlagsprognosen für die kommenden Tage ließen keine Verschärfung der Situation befürchten, sagte der Sprecher. Eingestaut wurde nur in geringem Umfang in den beiden oberen Becken Antrifttalsperre und Heidelbach. Trotz der großflächigen Schwalmrenaturierung bei Willingshausen-Loshausen wurde die Straße bei Loshausen („Klinkenmühle“) überflutet. Für den Verkehr gesperrt war die Verbindungssstrecke zur Bundesstraße von Dienstagnacht bis Mittwochmittag.

Die Kreisstraße K 25 zwischen Dickershausen und Mörshausen wurde am Dienstagabend gegen 21 Uhr gesperrt. In Homberg war es laut Polizei darüber hinaus ruhig.

++ Kreis Northeim ++

Starkregen und Hochwasser haben im südlichen Niedersachsen teils zu chaotischen Verhältnissen geführt. Wegen massiver Überschwemmungen rief der Landkreis Goslar am Mittag den Katastrophenfall aus - mittlerweile gehen die Pegel auch dort zurück. Am Mittwochabend sagte Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk: "Eine solch dramatische Hochwasserlage hat die Stadt Goslar seit 70, 80 Jahren nicht erlebt. Gott sei Dank hat der Regen endlich aufgehört und gehen die Pegel seit einiger Zeit wieder zurück."

Das Hochwasser führte nicht nur zu Straßensperrungen in Südniedersachsen. Auch im Bahnverkehr gab es Einschränkungen.

Am Nachmittag lief ein Großeinsatz der Feuerwehr am Gustav-Wegner-Stadion in Northeim. Weil in den kommenden Stunden mit einem Anstieg des Rhumepegels um 18 Zentimeter gerechnet werden muss, wurde das Stadion am Nachmittag mit 2000 Sandsäcken gesichert.

Gustav-Wegner-Stadion in Northeim von Hochwasser bedroht

In der Gemeinde Kalefeld waren seit Mittwochmorgen alle verfügbaren Feuerwehreinsätze im Einsatz. In Düderode drohte das Waldschwimmbad zu überfluten. Am Mittwochmittag pumpten Einsatzkräfte das Wasser, das aus einem unterirdisch geführten Bach nach oben drückte, ab und konnte die Lage unter Kontrolle bringen. Aßerdem müssen vollgelaufene Keller leergepumpt und umgestürzte Bäume von der Fahrbahn geräumt werden. Ein Einsatzschwerpunkt war die Ortschaft Willershausen.

In Bad Gandersheim hat die Polizei am Dienstagabend und Mittwochmorgen Autobesitzer aufgefordert, ihre Fahrzeuge aus der Innenstadt zu entfernen.

Überschwemmte Straßen: Auch zwischen Willershausen und Düderode steht das Wasser.

 

Die Straße zwischen Northeim und Hollenstedt war überflutet und daher voll gesperrt. Im Bereich Einbeck ging in vielen Bereichen nichts mehr, unter anderem gab es Sperrungen zwischen Wenzen und Hallensen sowie zwischen Brunsen und Stroit.

Im Rodetal bei Nörten-Hardenberg war der Rodebach über die Ufer getreten und sorgte für Überflutungen, ähnlich sah es im Bereich Bishausen aus.

Im Alten Amt waren die Wehren ebenfalls im Dauereinsatz. An mehreren Stellen drohten aufgeweichte Hänge abzurutschen.

„Das war haarscharf an der Grenze.“ So fällt die Bilanz von Uslars Stadtbrandmeister Jörg Jacob nach den Überflutungen im Uslarer Land aus. Bodenfeldes Gemeindebrandmeister Jens Rölke schloss sich der Meinung an. Die Region ist noch einigermaßen davongekommen. Mehr zu den Einsätzen hier.

++ Göttingen ++

In Göttingen musste die Feuerwehr 60 Mal und im Landkreis 90 Mal ausrücken: Durch den Dauerregen waren mehrere Keller überflutet, Wege und Straßen waren überschwemmt. 

Sportplatz in Bremke in der Gemeinde Gleichen: Auch diese Anlage wurde vom Wasser teilweise überflutet.

Um die vielen Einsätze bewältigen zu können, wurde eine provisorische zweite Leitstelle errichtet. Am Mittwochmorgen vermeldete Frank Gloth von der Feuerwehr: "Die Lage ist stabil."

Um die Vielzahl an Einsätzen überhaupt bewältigen zu können, hatte die Berufsfeuerwehr bis in die Nacht zu Mittwoch eine provisorische zweite Leitstelle aufgebaut. Schwierigkeiten bereiteten den Einsatzkräften insbesondere auch die kleineren Bäche, die über die Ufer getreten waren. In der Nacht zu Mittwoch beruhigte sich die Lage wieder. Erst in den Morgenstunden gab es am Mittwoch wieder verstärkt Einsätze.

Probleme gab es auch im Bereich der Steinmetz-Kurve im Göttinger Stadtteil Geismar. Dort war Wasser über die Straße gelaufen.

 

Details zur Lage in Göttingen finden Sie hier.

Rubriklistenbild: © HNA/Rohde

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