Lob vom Fachmann

Modellbauer aus dem Bauna-Tal arbeiten an Neuerungen

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Erfinderische Modellbauer: Timo Freigang (links) und Martin Wicke mit ihrem Modell des Segelflugzeugs „KA 8B“.

Baunatal/Schauenburg. Wenn auf dem Flugplatz „Graner Berg“ bei Wolfhagen Timo Freigang und Martin Wicke ihre Modellflieger starten, staunen sogar die erfahrensten Modellbauer: Die beiden fallen nicht nur durch ihr junges Alter auf, sie sorgen auch mit ihren ausgefeilten Modellfliegern für Aufsehen.

Ihr neuester Coup ist ein ultraleichtes ferngesteuertes Modellflugzeug, das noch dieses Jahr in die Luft gehen soll.

„Wir wollen etwas machen, was noch keiner versucht hat“, sagt der 19-jährige Auszubildende Timo Freigang aus Baunatal. Er hebt das Flugmodell stolz hoch, um zu zeigen, wie leicht es ist. Das Modell stellt das Segelflugzeug „KA 8B“ in halber Größe dar. Laut Martin Wicke ist es wegen seiner Flugeigenschaften besonders geeignet für den Nachbau.

Marco Hochgräf

„Die meisten Modellbauer vernachlässigen das Größe-Gewicht-Verhältnis und bauen zu schwer“, erklärt der 18-jährige Gymnasiast aus Schauenburg. Dies führe dazu, dass die Flugeleganz der Originalmodelle nicht erreicht werde. Um dem besser gerecht zu werden, hat sich das Duo eine Acht-Kilo-Marke gesetzt. Diese soll nicht weit überschritten werden. Ihr Leichtheits-Gebot wollen sie vor allem mit Styropor als Hauptmaterial erreichen. „Das hält auf jeden Fall“, sagt Martin Wicke und packt den Flügel fest an.

Diplom-Ingenieur Marco Hochgräf vom Institut für Mechanik der Uni Kassel lobt die jungen Modellbauer. „Das Vorgehen der beiden ist sehr gut“, sagt der 33-Jährige.

Kennengelernt haben sich die Jungs vor sieben Jahren auf dem Wolfhager Flugplatz. Fasziniert vom Modellflug entstand eine innige Freundschaft mit dem gemeinsamen Hobby, Modellflieger zu bauen. In der reichlich bestückten Werkstatt von Freigangs Vater tüftelten sie schon über viele Wochenenden.

Die Reaktionen im Umfeld sind unterschiedlich. „Manche sind zwar etwas fasziniert, aber die meisten finden unser Hobby komisch“, erzählt Wicke.

Auch die Freundinnen seien von ihrem Verschwinden an den Wochenenden nicht begeistert. Allein 130 Stunden haben sie bis jetzt an ihrem Leichtbau-Projekt gearbeitet. Weitere 130 planen sie bis zur Ferigstellung ein. Dazu kommt noch die Zeit in der sie diskutieren, recherchieren und sich den Kopf über den Flieger zerbrechen.

Doch all die Mühen und Rückschläge halten die beiden Praktiker nicht davon ab weiterzumachen. „Für den Spaß den wir haben, lohnt sich das allemal“, sagt Timo Freigang. Schade finden sie, dass dem Modellbau der Nachwuchs fehlt. Über eine Karriere im Flugzeugbau denken sie noch nicht nach.

Als Nächstes planen die beiden, die Steuerelektronik und eine Videokamera einzubauen. Den fertigen Segelflieger wollen sie mit einer Druckluftwinde in die Luft befördern. Dann werden auf dem „Graner Berg“ wohl wieder erstaunte Gesichter zu sehen sein.

Von Igor Nortowski

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