Naturverbunden und engagiert: Elgershäuser Gruppe „Spechte“ der Waldjugend wird 50

Hölzchen gilt als zweite Heimat

Freiwilliger Einsatz ist Ehrensache: Jürgen Cords (vorn) und Gisbert Dietrich schrubben das Dach der Waldhütte. Foto: Dilling

Schauenburg. Wenn sich Dietmar Henkes an seine Jugend erinnert, gerät er ins Schwärmen. Er erzählt von der Lagerfeuerromantik im Hölzchen, dem kleinen Waldstück zwischen Elgershausen und Großenritte, der zwischen den Bäumen aufgehenden Sonne am frühen Morgen, und davon, wie sich die Kinder in den Wipfeln der Fichten wie Tarzan von Baum zu Baum schwangen. Das ist lange her. Doch das Hölzchen ist nach wie vor einer von Henkes Lieblingsplätzen, eine zweite Heimat – wie für alle „Spechte“, wie sich die Mitglieder der Deutschen Waldjugend in Elgershausen nennen. Seit elf Jahren ist Henkes ihr Vorsitzender.

Begonnen hat alles vor 50 Jahren mit einem Elgerhäuser Biologielehrer, der einen Unterricht machte, den Pädagogen heute noch modern nennen würden. Der – 2009 gestorbene – Hans Giessler ging mit seinen Schülern in den Wald, ließ sie Pflanzen und Vögel bestimmen und brachte ihnen bei, wie man Baumarten voneinander unterscheidet. 1962 verwirklichte er seinen Traum einer eigenen Waldhütte. Der damalige Bürgermeister Erich Jatzke setzte sich für das Projekt ein. Die Gemeindevertreter gaben grünes Licht. Die Jugendlichen bauten zunächst eine alte Baracke im Wald auf, die so genannte Spechthöhle später errichteten sie eine massive große Hütte, einen Lagerplatz und einen Schuppen.

Bald machten sich die „Spechte“ als Naturschützer einen Namen. Sie bauten mehr als 100 Nistkästen, die heute noch gepflegt werden. Die Elgershäuser Jugendlichen zählten den Bestand von Vogelarten, beringten Vögel und dokumentierten deren Wanderungsbewegungen durch ganz Europa. Sogar in Russland habe man in Elgershausen beringte Vögel gefunden, erzählt Henkes. Den Wald hätten die „Spechte“ schon von Unrat gesäubert, lange bevor es die Aktion „Sauberhaftes Hessen“ gegeben habe.

Weitere Aktionen folgten: Die Elgershäuser machten bei einem Aufforstungsprojekt nach einer Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen mit. Sie schafften im Hölzchen zwei Feuchtbiotope. Und sie legten eine Streuobstwiese an, in der man beispielsweise alte deutsche Apfelsorten wie die Schafsnase oder die Goldparmäne findet.

Zuletzt verschwanden auch die Fichten, auf denen Henkes als Kind kletterte. Nach einem Windbruch forsteten die „Spechte“ das Waldstück mit Laubbäumen auf. Längst bringen die „Spechte“ auch den Wald zum Klingen. Das besorgen rund ein Dutzend Waldhornbläser aus ihren Reihen.

17 Kinder und Jugendliche bilden den Nachwuchs der „Spechte“. Ihr „Pate“, der gelernte Förster Reiner Weißhaar, erzählt und zeigt ihnen, was sie über Fauna und Flora des Waldes wissen müssen. Auf Lehrgängen lassen sich die Gruppenleiter des Nachwuchses schulen. Insgesamt haben die „Spechte“ 108 Mitglieder, darunter einen harten Kern von Älteren, die die Einrichtung im „Hölzchen“ in Schuss halten. HINTERGRUND

Info und Kontakt: Siegmar Henkes, Tel. 0 56 01/9 32 51 12 Neumitglieder willkommen.

Von Peter Dilling

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