Hoffen auf Nachwuchs: Storchenpaar bei Sandershausen

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Majestätisch: Ein Storchenpaar hat vor gut einer Woche das künstliche Nest auf einem Mast am Ufer der Fulda bei Sandershausen in Besitz genommen.

Niestetal. Mit dem Fernglas schaut Walter Dellnitz zu dem Mast hinüber, der nur einen Steinwurf von der Fulda entfernt steht. „Am 12. April saßen die Störche erstmals auf dem Nest“, sagt der 73-jährige Rentner.

Seither ist der ehrenamtliche Naturschützer der Nabu-Arbeitsgruppe Niestetal jeden Tag auf den Wiesen am Fluss unterwegs, um zu sehen, ob es dem Storchenpaar gut geht.

Dellnitz und seine Mitstreiter hegen einen Wunsch: dass sich bei den Adebars in diesem Jahr endlich Nachwuchs einstellt. Das Erlebnis, bei Sandershausen junge Störche aufwachsen zu sehen, war ihnen bislang nicht vergönnt. Seit 2008, als die Gruppe mithilfe des Energieversorgers Eon Mitte und der Gemeinde Niestetal den Mast mit dem darauf montierten Wagenrad samt Nest aus Weidengeflecht aufstellte, kam bei der Fortpflanzung immer etwas dazwischen. Zunächst verhinderte eine als Lockvogel dienende Attrappe, die das männliche Tier seinem Weibchen vorzog, den Nachwuchs.

Im vergangenen Jahr dann war es der ungewöhnlich warme Monat April, der eine Zunahme der Störche verhinderte. „Auf den trockenen Wiesen haben die Vögel einfach zu wenige Insekten gefunden“, weiß Naturschützer Dellnitz.

Ein Problem indes macht den Naturschützern Sorgen, seit die Störche in den Auewiesen auftauchten: nicht angeleinte Hunde. Sie scheuchen die Vögel auf. Die Gemeinde hat in der Nähe des Nests Schilder aufgestellt, auf denen sie an die Vernunft der Hundehalter appelliert. „Wir können nur hoffen, dass die Menschen einsichtig sind, die Hunde an die Leine nehmen und den Bereich um das Nest nicht betreten“, sagt Rathaussprecher Dennis Bachmann.

Störche bei Sandershausen

Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus, wie Naturschützer Dellnitz weiß und wie man vor Ort beobachten kann. Immer wieder rennen Hunde über die Wiesen, auf denen die Störche nach Nahrung suchen. „In den seltensten Fällen wird ein Hund einen Storch als Beute ansehen“, sagt Hundetrainerin Britta Waldmann. Es sei „reine Neugierde“, die die Hunde zu den Vögeln laufen lasse. Ihre Empfehlung: Hunde rechtzeitig anleinen und in großem Abstand an den Vögeln vorbeiführen.

Rechtlich ist gegen uneinsichtige Hundebesitzer nichts zu machen: Anders als im Nachbarland Niedersachsen gibt es in Hessen während der Brut- und Setzzeit keine Anleinpflicht. Und auch die Gemeinde Niestetal hat keine Leinenpflicht erlassen.

Walter Dellnitz ist dennoch optimistisch: Er hofft, im Mai an der Fulda erstmals Jungstörche zu sehen.

Infos im Internet: www.nabu-kreis-kassel.de

Von Peter Ketteritzsch

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