Medizinische Studien im Mittelpunkt

Kasseler Borreliose Symposion: Hoffen auf Zukunft ohne Zeckenangst

Forscher berichteten in Fuldatal: Prof. Dr. Reinhard K. Straubinger (München) und Dr. Meral Esen (Tübingen) stellten auf dem 13. Kasseler Borreliose Symposion viel versprechende medizinische Studien vor. Veranstalter war wieder die Kasseler Borreliose Selbsthilfegruppe, im Bild (Mitte) die Vorsitzende Brigitte Ringeler-Leipholz. Foto: Binienda-Beer

Fuldatal. 100.000 Neuinfektionen pro Jahr bundesweit mit der von Zecken übertragenen Lyme-Borreliose sind kein Pappenstiel, die Folgen einer Nichtbehandlung unter Umständen schwerwiegend.

Dabei droht Gefahr durch die winzigen Blutsauger nicht nur in freier Natur, sondern schon im eigenen Garten. Zwei hoffnungsvolle medizinische Ansätze im Kampf gegen die gefürchtete Infektionskrankheit stellten Wissenschaftler beim Kasseler Borreliose Symposion am Samstag in Fuldatal vor. Veranstalter war die Borreliose Selbsthilfegruppe Kassel-Stadt und Land. Noch befinden sich die beiden viel versprechenden Neuerungen in der Entwicklung und müssen klinisch geprüft werden. Ihre Zulassung könnte aber in wenigen Jahren erfolgen.

Mit Interesse verfolgte das Publikum im Fuldataler Forum die Vorträge über eine Studie zum Humanimpfstoff gegen Borreliose und das Novum einer äußerlichen Behandlung mit einem antibiotisch wirkenden Gel unmittelbar an der Zeckenstichstelle.

Präventiv würde über die herkömmlichen Schutzmaßnahmen hinaus eine Impfung wirken. Borreliose ist zwar in Europa die am häufigsten durch Zecken übertragene Erkrankung, ein Impfschutz ist bisher allerdings im Gegensatz zu der ebenfalls von den Spinnentierchen hervorgerufenen Virusinfektion FSME nicht möglich. Nach Aussage von Dr. Meral Esen, Gruppenleiterin für klinische Studien und Immunologie am Institut für Tropenmedizin in Tübingen, ist die Bildung von Antikörpern durch den entwickelten Impfstoff ebenso nachgewiesen wie dessen gute Verträglichkeit.

Neuerung Nummer zwei setzt darauf, die Ausbreitung des Erregers zu unterbinden, wenn die Zecke bereits gestochen hat. Bisher kommt allein die orale Einnahme eines hochdosierten Antibiotikums mit den bekannten Nebenwirkungen auf die Darmflora infrage. Ein nur an der Stichstelle aufzubringendes antibiotisches Gel (Azithromycin) könnte einen bedeutsamen Fortschritt bringen, berichtete Prof. Dr. Reinhard Straubinger vom Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen an der Tierärztlichen Fakultät der Universität München. Der von den Trägerstoffen in das menschliche Gewebe transportierte Wirkstoff böte selbst noch drei Tage nach Abnahme der Zecke gute Erfolgsaussichten, sagte der Forscher.

Kontakt: Borreliose SHG Kassel-Stadt und Land, Tel. 0561/7880 68 81, www.borreliose.de

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