Selbsthilfegruppe bietet Rat und Hilfe

Hoffnung für Schmerzpatienten

Ohne Medikamente: Auch Behandlungsmethoden wie die Physiotherapie versuchen, Schmerzen für den Patienten zu lindern. Archivfoto: dpa/nh

Kreis kassel. „Man darf die Hoffnung niemals aufgeben“, sagt Josef Singer. Und dass chronisch Schmerzkranke manchmal verzweifeln, kann der 69-Jährige gut verstehen. Seit fast 15 Jahren lebt er mit chronischen Schmerzen, die sein gesamtes Leben bestimmen. Aber Singer hat auch gelernt, „herauszutreten aus Verbitterung, Frustration und Depression“, wie er sagt. Auch durch die 2010 gegründete Selbsthilfegruppe Chronische Schmerzen, die zehn Mitglieder hat und die Singer leitet. Die Gruppe ist der Kasseler Kiss (Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen) angeschlossen. Hier treffen sich Patienten mit chronischen Schmerzen, unabhängig von der Grunderkrankung. Das können Rücken-, Kopf-, Nerven- und Gelenkschmerzen sein, Arthrose, Osteoporose oder Fibromyalgie.

Seine „Karriere als chronischer Schmerzpatient“, wie er sagt, begann 1996. Bei einem Autounfall wurde ihm die linke Schulter zertrümmert. Es folgten viele Operationen, eine Odyssee von Arzt zu Arzt wegen der Schmerzen, gegen die es kein Mittel gab. Sie blieben, wurden stärker, „breiteten sich irgendwann über den gesamten Körper aus“, sagt Singer. Wer aber ständig Schmerzen hat, verliert Lebensmut und -qualität, starke Medikamente bis hin zu Opiaten sollen den Dauerschmerz lindern, haben aber auch Nebenwirkungen, so der gelernte Baukaufmann. Ein Teufelskreis für die Betroffenen. „Auch ein Teufelskreis der Isolation“, sagt Singer. Denn wer rund um die Uhr quälende Schmerzen leide und starke Medikamente nehmen müsse, ziehe sich aus dem Leben zurück. „Der Schmerz bremst den ganzen Alltag.“

Dagegen gehen die Gruppenmitglieder gemeinsam an. Mit Verständnis, Information, Erfahrungsaustausch, Rat und Hilfe. Sie werden auch bewusst aktiv, wie Singer betont, gehen raus, unternehmen Ausflüge, Kino- und Theaterbesuche. „Der Schmerz soll bei uns nicht allein Regie führen“, sagt Singer, der bei der Kassenärztlichen Vereinigung hartnäckig dafür kämpft, dass Schmerzpatienten besser versorgt werden.

Nächstes Gruppentreffen: Dienstag, 19. April, ab 17 Uhr, Awo-Haus, Wilhelmshöher Allee 32 A. Anmeldung: Tel. 81 30 00. Die Selbsthilfegruppe ist auch bei den Kasseler Gesundheitstagen heute, Freitag, und Samstag, 8. und 9. April, in der Stadthalle Kassel vertreten.

Von Sabine Oschmann

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