Städtische Werke Kassel wollen im Stiftswald neun Rotoren errichten – Anlagen werden 200 Meter hoch

Hohe Windräder über Kaufungen

So würde es aussehen: Neun 200 Meter hohe Windräder wollen die Städtischen Werke auf dem Belgerkopf und dem Bielstein errichten. Von Kaufungen aus wären die Rotoren deutlich zu sehen. Unser Foto zeigt den Blick vom Kaufunger Kreisel auf den Stiftswald, vorn ist die Seniorenbegegnungsstätte zu erkennen. Die Städtischen Werke haben zur Illustration die Windräder maßstabsgerecht ins Bild eingefügt. Foto/Montage: Städtische Werke Kassel/nh

Kaufungen / HELSA. Bis zu neun jeweils 200 Meter hohe Windkraftanlagen wollen die Städtischen Werke Kassel auf hoch gelegenen Flächen im Kaufunger Stiftswald errichten. Im Fokus der Planer stehen Windwurfflächen des Ritterschaftlichen Stifts auf beiden Seiten des Michelskopfsees, die als mögliche Standorte für Windenergie in die Regionalplanung aufgenommen wurden.

Vertreter der Werke stellten während einer Informationsveranstaltung der Energiegenossenschaft Kaufungen erste Details des 45-Millionen-Projektes vor.

Konkret umfasst der Windpark drei Windräder der 3- und 2,4-Megawatt-Klasse auf den Höhen des Belgerkopfs und bis zu sechs Anlagen mit diesen Leistungen am Bielstein. Der gewonnene Windstrom bleibt in der Region, er soll über ein Erdkabel in die Söhre geleitet und von dort in das Kasseler Netz eingespeist werden. Die Strommenge reicht aus, um 22 000 Haushalte zu versorgen. „Ich bin schon 2010 auf die Flächen im Stiftswald aufmerksam geworden“, sagte Dipl.-Ing. Lars Rotzsche, Leiter des Bereichs Windenergie bei den Städtischen Werken, am Dienstagabend vor etwa 60 Interessierten im Bürgerhaus Kaufungen. Gestern wurden die geplanten Standorte mit natur- und artenschutzrechtlichen Betrachtungen und Visualisierungen zur Auswirkung auf das Landschaftsbild auch den beteiligten Behörden vorgestellt. Mit den Werten der Schallbelastung und der Schattenwurfprognose könne man im Genehmigungsverfahren relativ entspannt umgehen, da gebe es keine Probleme, sagte Rotzsche.

Im Falle der Verwirklichung wollen die Werke mit der Energiegenossenschaft Kaufungen in das Projekt einsteigen. Die Anlegerinteressen sollen später in einer Gesellschaft gebündelt werden, die sich an der Windpark GmbH beteiligt und mit weiteren Beteiligten in die Betriebsgesellschaft eintritt.

Er habe Vertrauen in die Städtischen Werke, „die den kurzen Weg zum Verbraucher suchen“, sagte der Obervorsteher des Ritterschaftlichen Stifts, Thilo von Gilsa. Das für den Windpark ausgewählte Gelände sei auch in Bezug auf die Zufahrtsstraßen nahezu ideal, so der zukünftige Verpächter der Waldflächen. Kaufungens Bürgermeister Arnim Roß (SPD) will erreichen, dass die Wertschöpfung aus den alternativen Energien in der Gemeinde bleibt, dass Firmen von der Windenergie profitieren und in der Region Arbeitsplätze entstehen.

Kritik an Roß-Forderung

„Das ist dreist, weil in dieser Technologie keine Arbeitsplätze stecken“, kritisierte Dr. Detlef von Ahlborn von der Bürgerinitiative Pro Hirschberg / Kaufunger Wald während der Fragerunde. Der Windkraftgegner machte die hohen Strompreise für den Kaufkraftverlust und letztlich auch für den Abbau von Arbeitsplätzen verantwortlich.

In weiteren Wortmeldungen ging es Bürgern um die Windprognosen, die mangelnde Ästhetik der 200-Meter-Masten („Verschandelung der Landschaft“), den Gegensatz zwischen Windmasten und dem Naturpark-Gedanken und um die Zukunft der Stromproduktion nach dem Ausstieg aus der Atomenergie. Archivfotos: Habich/Kessler(nh)

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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