Meisterfeier: Zimmerer wollen mit Bildungs- und Qualitätsoffensive Potenzial nutzen

Mit Holzbau ganz hoch hinaus

Friedrich

Baunatal. Handwerk hat goldenen Boden. Auf Friedrich Hendrich, der vor 50 Jahren seine Meisterprüfung an der Zimmererfachschule in Kassel abgelegt hat, trifft dieses Sprichwort garantiert zu: „Mit nichts“ habe er seinen Betrieb in Niederzwehren aufgebaut und sei dann nach Fuldabrück-Bergshausen umgesiedelt.

Heute führt sein Sohn Hilmar den mittlerweile auf zehn Mitarbeiter angewachsenen Holzbaubetrieb. Der Senior mischt immer noch mit und baut inzwischen ganze Häuser aus Holz.

Der 78-jährige Hendrich gehörte wie Herbert Sinning aus Guntershausen (40 Jahre Meister) zu den Jubilaren, die dem Zimmerer-Nachwuchs während der traditionellen Feier des Kasseler Bundesbildungszentrums des Zimmerer- und Ausbaugewerbes (Bubiza) in der Baunataler Stadthalle zur bestandenen Meisterprüfung gratulierten und selbst für ihre Lebensleistung geehrt wurden. Wie Hendrich stellte auch Karl Hoffmeister, stellvertretender Vorsitzender des Fachverbands Holzbau und Festredner des Abends, fest, dass dem Bau von modernen Holzhäusern die Zukunft gehöre. „In der Schweiz ist schon jedes zehnte mehrgeschossige Haus aus Holz“, sagte er. Bis die deutschen Zimmerer dieses Potenzial ausschöpfen können, sei aber noch ein weiter Weg. Die Betriebe müssten mehr in Technik, Qualität und Bildung investieren. Dann könne der Holzbau seinen Vorteil, den sehr schnellen Baufortschritt, voll ausspielen. Leider lege die Bundesregierung Hürden in den Weg. Es fehle an einer steuerlichen Förderung der energetischen Sanierung, Zimmerer dürften ohne genügend Berufserfahrung die Meisterprüfung ablegen.

Zertifikat für Bubiza

Am Bubiza liegt es jedenfalls nicht, wenn Zimmermeister nicht fit sind: Das Zentrum erhielt während der Feier ein europäisches Bildungszertifikat, das bisher weltweit nur 32-mal verliehen wurde. Er sei stolz, dass die Zimmerer-Nationalmannschaft vom Kasseler Bubiza trainiert werde, sagte Kassels ehrenamtlicher Stadtrat Hendrik Jordan.

58 Gesellen erhielten in Baunatal ihre Meisterbriefe, darunter war auch Dominik Heintze. Der 24-jährige gebürtige Kasseler will jetzt noch den Dachdeckermeister dranhängen und dann in seinen Ausbildungsbetrieb, die Firma Hörich in Söhrewald, zurückkehren.

Von Peter Dilling

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