Es geht auch um Mord: Baunataler Jugendliche drehen während der Ferien Filme

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Und Action: Vor allem auf die richtige Haltung muss Tobias (links) achten, Greta filmt den Mord an dem schlafenden Max.

Baunatal/Hessisch Lichtenau. Abgedunkelte Scheinwerfer werfen ihr trübes Licht auf das Set. Da geht Tobias mit dem Messer umher, um einem nach dem anderen die Kehle durchzuschneiden. „Drei..., zwei..., eins..., Action!“, Greta hält mit ruhiger Hand die Kamera auf das Geschehen. Die ersten Aufnahmen sind im Kasten.

Im Videocamp des Offenen Kanal Kassel und des Jugendbildungswerks Baunatal geht es um Horror. „Der Tobias hat den Yanis erledigt. Wer ist der Nächste?“ fragt Medientrainer Jörg Ruckel in die Runde. Regisseurin Emma hat sich für alle einen Tod überlegt und weist auf Max, der im Schlaf auf der Bank des einsame Hauses ermordet wird. Nur der kreidebleich geschminkte Mörder, Tobias, wird das Haus im Wald lebend verlassen.

„Die Angst des Zuschauers entsteht, wenn ein Charakter nicht das tut, was der normalen menschlichen Reaktion entspricht“, erklärt Ruckel den Jugendlichen. „Auch wenn Todesschreie zu hören sind, die Person schläft weiter und wird blutig ermordet.“

In diesem Jahr sind viele neue Kinder im Videocamp, das zum zweiten Mal im Haus der Jugend in Reichenbach stattfindet. Die 29 Jugendlichen aus dem Raum Kassel lassen hier kleine Horrorgeschichten entstehen. Man hört zahlreiche Todesschreie und es fließt eine Menge Kunstblut. Aber jeder Teilnehmer ist von dem Genre fasziniert und arbeitet intensiv mit. „Sie schauen einmal hinter die Kamera und sehen wie diverse Filmtricks umgesetzt werden oder wie ein Spannungsbogen erzeugt wird“, so Ruckel.

„100 Prozent geben“

Der 14-jährige Mike ist schon Tags zuvor von Tobias ermordet worden, jetzt hilft er aus. „Vor und hinter der Kamera muss man immer 100 Prozent geben, damit auch alles klappt.“

Innerhalb von fünf Tagen entstehen drei Filme von etwas 15 Minuten, und die Jugendlichen haben dabei alles selbst gemacht, von der Geschichte bis zum Schnitt. „Neben einer starken Medienkompetenz erlernen sie hier auch zahlreiche soziale Kompetenzen“, sagt Tom Gudella, Jugendbildungswerk Baunatal, „wie man zusammen an einem Strang zieht und gemeinsam etwas entstehen lässt.“

Der 14-jährige Yannik starb im Mysteryfilm einen virtuellen Tod, der später täuschend echt wirkt. „Es ist cool zu sehen, wie eine einfache Geschichte vor der Kamera umgesetzt wird“, meint er. „Jetzt wissen wir wie die einzelnen Effekte entstehen, die uns vor dem Fernseher immer Angst einjagen.“

Von Christiane Geier

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