Vellmarer Ehepaar wurde auf angeblich kostenloser Busreise unter Drohungen abgezockt

Ein Horrortrip nach Hamburg

Relikte einer Albtraumreise: Der Vellmarer Günter Montag präsentiert - zurück in seinem Haus - Reiseprospekte und eine Banküberweisung, obwohl die gewonnene Hamburg-Reise eigentlich kostenlos sein sollte. Foto: Wewetzer

Vellmar. Es sollte eine unvergessliche Reise in die Weltstadt Hamburg werden. Mit Musicalbesuch, Hafenrundfahrt und geführtem Bummel über die Reeperbahn. Doch für die Vellmarer Günter und Petra Montag und 54 weitere Mitfahrer aus der Region wurde die Fahrt mit einer Reisefirma zum Horrortrip. Abzocke unter Drohungen statt Hafenromantik prägte den Ausflug.

Preisrätsel gelöst

Begonnen hatte alles damit, dass Günter Montag, 70, unter dem Stichwort „Oster-Preisrätsel“ einen Coupon ausgefüllt und an den Reisedienstleiter N.W.W. Ltd. geschickt hatte, mit dem eine kostenlose, dreitägige Hamburg-Reise zu gewinnen war. Schließlich wurden die Montags informiert, dass sie zu den glücklichen Gewinnern gehörten. Die Ehefrau sagte zu und erhielt von der TKT Europe Ltd., die vom Reisedienstleiter mit der Abwicklung der Reise beauftragt worden war, am 12. August die Bestätigung für „Drei Tage Hamburg in ausgesuchten Hotels mit Musical- oder Konzertbesuch“.

Am Mittwoch, 2. November, stieg das Ehepaar um 2.30 Uhr in Kassel in den Bus. Da hatten die beiden für 98 Euro schon das ihnen schmackhaft gemachte „Komfort-XXL-Paket für VIP-Kunden“ fürs Hotel gebucht. Und sie waren im Kleingedruckten des Vertrags zu spät auf den Satz gestoßen, dass bei Gratis-Sponsoren-Reisen pro Person „ein Mindestumsatz von 80 Euro an Ausflügen vor Ort gebucht werden muss“. Die dann auch noch verlangte Kaution von 45 Euro pro Nase lehnte Günter Montag ab.

Kurz vor Hamburg kam es dann ganz dicke: Der Bus bog von der Autobahn ab und hielt vor einer Gaststätte in einem kleinen Dorf. Erwartet wurden die überwiegend älteren Reisenden - manche waren über 90 Jahre alt - von zwei Männern und einer jungen Frau, die sich als Vertreter der Sponsoren ausgaben, sich aber nicht ausweisen wollten.

Tumult im Gasthaus

Das Trio kam gleich zur Sache, erinnert sich der Vellmarer: „Alle Teilnehmer sollten ein Ausflugspaket für 145 Euro pro Person buchen.“ Wer sich weigere, habe es barsch geheißen, müsse raus aus dem Bus und sehen, wo er bleibe. Als sich die Reisenden tatsächlich weigerten, „kam es zum Tumult in der Gaststätte und fast zu Handgreiflichkeiten“, erzählt Günter Montag weiter. Angesichts der Rausschmiss-drohung zahlten schließlich alle zähneknirschend für das Ausflugspaket, das sich später als Flop erwies. Wer nicht genug Geld dabeihatte - die Reise sollte ja kostenlos sein - wurde zum nächsten Geldautomaten begleitet.

Das Weitere ist schnell erzählt: In Hamburg entpuppte sich der Musicalabend als Shanty-Chor im Hotel, die versprochene „qualifizierte Reiseleitung“ erschien nicht, und am nächsten Morgen wartete auf die zermürbte Reisegruppe statt Hamburg-Flair eine Verkaufsausstellung in einem kleinen Dorf bei Hamburg. „Es gab Magnetfelddecken und so’n Zeug“, sagt Günter Montag, „aber keiner kaufte.“

Einzig die Stadtführung funktionierte, die Hafenrundfahrt bezahlte das Ehepaar dann wieder selbst. Zurück in Vellmar waren die Montags um rund 400 Euro ärmer.

Der Organisator der Tour, die TKT Europe Ltd., war für eine Stellungnahme übrigens nicht zu erreichen.

Von Stefan Wewetzer

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