Björn Krämer aus Kaufungen führt professionell Vierbeiner aus – Marktlücke entdeckt

Der mit den Hunden geht

Björn Krämer

Kaufungen. Davon träumt jeder Hundebesitzer: Der Vierbeiner läuft entspannt nebenher, kein Verbellen von Passanten, keine Attacke auf den entgegenkommenden Artgenossen, friedlich rollt der Radler unbehelligt vorbei. Wenn Björn Krämer der Rudelführer ist, klappt das sogar mit acht ausgewachsenen Tieren. Denn der 30-jährige Hundesitter aus Kaufungen hat seine Meute mit sanfter Stimme fest im Griff. Er ist einer der wenigen professionellen Gassi-Geher in der Region.

Bis August war der Sozialpädagoge Streetworker in Niestetal, doch zum 1. Oktober hat er ein Kleingewerbe angemeldet. Jetzt lebt er vom Ausführen der Hunde seiner inzwischen 22 Kaufunger Kunden, die im Beruf zu stark eingespannt sind, um ihren Lieblingen selbst den nötigen Auslauf geben zu können.

„In den USA ist das ganz normal, und auch in Großstädten wie Berlin gibt es einen hohen Bedarf an Hundebetreuung“, erzählt Krämer. Im ländlichen Nordhessen wirkt das noch etwas exotisch. Trotzdem glaubt der freundliche junge Mann mit dem Rauschebart, der mit Hunden aufgewachsen ist, eine Marktlücke entdeckt zu haben, deren Schließen ihm sein Auskommen sichert.

Täglich ist er mit bis zu zehn Hunden garantiert zwei Stunden rund um Kaufungen unterwegs. Die Tiere holt er daheim ab, weil ihm die Kunden die Haustürschlüssel anvertraut haben. In der Tasche hat er Leckerli und Plastikbeutel, falls einer seiner Schützlinge sich doch noch mal im Ort erleichtert. „Das kommt aber nur selten vor, die Hunde wissen, dass bald das freie Feld kommt“, sagt er.

Erstaunlich ist, wie friedlich-fröhlich die Hunde miteinander umgehen, wie sie die für Spaziergänger oft so lästigen Angewohnheiten abgelegt haben. Krämers Zauberwort dafür heißt: Konsequenz. „Die Hunde müssen drei Regeln einhalten: keine Tiere jagen, keine Passanten belästigen, nicht zu anderen Hunden hinlaufen.“ Neulinge werden bei ersten Sologängen darauf trainiert und dann behutsam ins Rudel eingegliedert.

Das klappe meist innerhalb von drei bis vier Wochen. Krämer: „Die Neuen backen im funktionierenden Rudel erst mal kleine Brötchen und orientieren sich an den anderen.“ Jedes Fehlverhalten wird von Krämer konsequent geahndet, Ausnahmen gibt es nicht, denn: „Die Hunde verstehen nicht, wenn etwas einmal erlaubt und beim nächsten Mal verboten ist.“ Wer nicht spurt, kommt an die Leine, doch meist laufen Krämers Tiere frei um ihn herum.

Für den Rudelführer bedeutet das harte Arbeit. „Ich muss immer voll bei der Sache sein, sonst merken die Hunde das und nichts geht mehr. Wenn die hektisch werden, kann ich einpacken.“

Weil nur klare Führung durch den Menschen Rangordnungs-Rangeleien verhindert, ist das Gassi-Gehen mit der Meute für den Chef ziemlich anstrengend: „Nach zwei bis drei Stunden unterwegs bin ich richtig ausgepowert“, sagt Krämer lachend.

Trotzdem: Wenn der Kundenstamm wächst, schafft er auch zwei Mehrstundengänge mit wechselnden Tieren. HINTERGRUND

Von Thomas Stier

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