Hundewolle ist gefragt

Fellpflege muss sein: Heidi Tkacz geht beim Kämmen ihrer 15-jährigen Mischlingshündin Selina ganz vorsichtig vor. Fotos:  Wienecke

Kaufungen/ Helsa. „Selina ist ein Traumhund, sie ist lieb, sieht aus wie ein Teddybär und haart nur beim Kämmen“, sagt Heidi Tkacz (sprich Kaatz). Als sie erfuhr, dass es Woll-Aufkäufer gibt, die Hundehaare auf Ausstellungen erwerben, kam sie auf die Idee, die Wolle ihrer Hündin einfach selbst zu sammeln.

„Sie wirkt wie ein Tibet-Terrier, ist aber eigentlich eine Mischung aus Collie und Malteser“, berichtet Heidi Tkacz, die im DRK-Altenheim in Oberkaufungen im Hauswirtschaftsbereich arbeitet, verheiratet ist und einen Sohn hat. Gefunden hat die Oberkaufunger Familie die inzwischen 15 Jahre alte Mischlingshündin über eine Anzeige.

„Als Selina noch klein war, haben wir sie vorsichtig auf die Altpapiertonne gesetzt und gekämmt. Da war sie dann in der richtigen Höhe“, erinnert sich die 57-Jährige. Seit acht Jahren sammelt sie Selinas Unterwolle, die weiß, schwarz, rot und überwiegend blond ist und inzwischen zehn große Stofftaschen füllt.

Weiterverarbeitet wird die Ausbeute von Ernst Himmelmann, der die Handwebstube in Helsa-Eschenstruth betreibt. „Ich kardiere die Wolle. Dabei werden die Fasern ausgerichtet“, berichtet er. „Ich habe mir eine kleine Maschine gekauft, da das sonst sehr anstrengend ist“, ergänzt der 82-Jährige. „Die Maschine verfügt über zwei gegenläufige, unterschiedlich große Walzen, die mit kleinen Stahlspitzen bestückt sind. Sie wird mit einer Kurbel per Hand betrieben.

Hundewolle ist gefragt

„Man könnte auch einfach zwei Striegelbürsten verwenden“, erläutert Ernst Himmelmann. Die Arbeit mit Hundewolle sei sehr angenehm, sagt er. „Schafwolle muss man fast immer waschen, dabei kommt rückfettende Seife zum Einsatz. Hunde sind ja meist von Hause aus bereits sehr gepflegt“, meint er.

Sobald sie kardiert ist, kann die Wolle versponnen werden, denn durch das Ausrichten haben sich kleine Strähnen gebildet. Eine Spinnerin kann diese nun nach und nach zur Hand nehmen und am Spinnrad zu einem dünnen Faden verzwirbeln. Zur Stabilisierung wird der Faden später mit weiteren Fäden verzwirnt. „Dadurch geht auch der Drall vom Spinnen wieder heraus“, erklärt Ernst Himmelmann.

Klöppelkurse

Heidi Tkacz kennt sich ebenfalls gut mit Handwerkskünsten aus. Sie bietet über die Volkshochschule (Vhs) Klöppelkurse in der Begegnungsstätte in Kaufungen an.

Ob aus der Wolle später eine Jacke oder ein Pullover gestrickt wird, haben Heidi Tkacz und ihr Mann Dieter jedoch noch nicht entschieden.

Von Bettina Wienecke

Video: Klöppeln ist in Kaufungen beliebt

Hintergrund

Klöppel- und Webkunst sowie Spinnerei:

Ernst Himmelmann, Heidi Tkacz und eine befreundete Spinnerin führen bei Heimatfesten und Handwerkermärkten vom Werra-Meißner-Kreis bis Kassel die alten Handwerkskünste des Klöppeln von Spitzen, Spinnens und des Webens vor. Für den Transport des Webstuhls aus dem Jahr 1816 hat sich der Handweber eigens einen Anhänger gebaut. (pbw) Kontakt: Handwebstube Helsa-Eschenstruth, Ernst Himmelmann, Tel. 05602/5247, und Heidi Tkacz, Vhs-Klöppelkurse, Tel. 05605/4418.

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