Berni Sutter trainiert im Deltha Fitness Club

Nach schwerem Arbeitsunfall: „Ich habe mich neu geschaffen“

Gibt Kraft: Partnerin Nicole Horn aus Espenau gibt Berni Sutter Kraft. „Sie ist das Wichtigste in meinem Leben“, sagt er. Fotos: Sommerlade

Espenau / Ahnatal. „Erst wer sich schon einmal durch die Grausamkeiten des Lebens quälen musste, weiß das Leben richtig zu schätzen.“ So lautet Berni Sutters Schlusswort in seiner Reha-Biografie „Verlierer oder Gewinner?“.

Und es ist zugleich die tiefe Überzeugung des 37-Jährigen, der mit Freundin Nicole Horn aus Espenau liiert ist und seitdem zwischen Espenau und Graubünden in der Schweiz pendelt.

Der gebürtige Schweizer, der regelmäßig im Club „Deltha Fitness“ in Ahnatal trainiert, weiß, wovon er spricht. Denn nach einem Arbeitsunfall vor 16 Jahren entrann Sutter nur knapp dem Tod. Da stürzte der damals 21-Jährige bei einem Ferienjob als Dachdecker von einem neun Meter hohen Dach in die Tiefe. Etliche Knochenbrüche, darunter Frakturen an Becken und Schädel, waren die Folge. Hinzu kamen schwere Hirnverletzungen. „Ich war dem Tod knapp entronnen, musste mich aber mit vielen Beeinträchtigungen auseinandersetzen“, erinnert sich Sutter an die Zeit nach dem Unfall.

An den Geräten: Regelmäßig trainiert Berni Sutter im Deltha Fitness Club in Ahnatal. Seit einem schweren Unfall muss er mit körperlichen Beeinträchtigungen leben.

Dazu gehörten ein Monat im Koma, knapp zwei Jahre im Rollstuhl, drei Operationen und der Verlust eines Augenlichts. Auch heute noch leidet der gelernte Grafiker an den Folgen der schweren Verletzungen. In kleinen Schritten arbeitete er sich nach vorn. Brauchte er für die 100-Meter-Strecke im Jahr 2006 noch 19 Minuten, sind es heute immer noch vier. „Das bedeutet aber nicht den Verlust meiner Lebensfreude“, betont Sutter. „Im Gegenteil. Mein Lebenswille wurde gestärkt. Ich habe mich selbst neu geschaffen.“

Den Unfall betrachtet er rückblickend als den „Beginn einer Kampfgeschichte, bei der es ums nackte Überleben geht.“

Und nach dem ersten Gedicht, das er 1997 seiner Mutter zum Muttertag widmete, entstand schnell die Idee, einen Gedichtband der besonderen Art zur Geschichte seiner Genesung herauszubringen (siehe Hintergrund). „Das Buch soll Mut machen, ist aber nicht nur für Menschen mit Behinderungen lesenswert“, so der ehrgeizige Mann.

Dank seiner Willenskraft machte seine Genesung Fortschritte. Bereits zweieinhalb Jahre nachdem er beinahe sein Leben verloren hatte, radelte er mit einem umgebauten Mountainbike über den Albula-Pass. „Das erinnert mich immer wieder an meinen eigenen langen, steinigen und schwierigen Weg, den ich aber nach und nach meistere.“

Dabei hilft dem 37-Jährigen das regelmäßige Training im Studio Deltha Fitness in Ahnatal sowie die Kraft, die ihm seine Lebensgefährtin Nicole gibt. Die Frau aus Espenau lernte Sutter 2005 über eine E-Mail-Anfrage zu seinem Buch kennen. „Meine Partnerin ist das Wichtigste in meinem Leben“, sagt er. Und befragt man ihn bezüglich des Fragezeichens im Buchtitel, entgegnet er: „Ich sehe mich als Gewinner.“

Von Martina Sommerlade

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