Ladungssicherung ist größtes Problem

Gefahrgutbeauftragter: "Ladungssicherung ist größtes Problem"

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Alles in Ordnung: Der Gefahrgutbeauftragte Hans-Jürgen Schramm (links) kontrolliert auch den Zustand der Feuerlöscher an Bord von Lastwagen. Lkw-Fahrer Thomas Pötter von der Lohfeldener Firma Brenntag (rechts) transportiert eine leicht entzündliche Flüssigkeit.

Kreis Kassel/Kaufungen. Welche gewaltigen Schäden Chemikalien anrichten können, weiß man nicht erst seit dem Anschlag von Anders Breivik, der mit einer aus Kunstdünger gebastelten Bombe in Oslo mehrere Menschen getötet hat, bevor er auf der Insel Utöya ein Blutbad anrichtete.

Doch nicht nur durch Anschläge können brennbare, explosive, ätzende oder leicht entzündliche Stoffe zur Gefahr werden.

Kaum einer weiß das besser als Hans-Jürgen Schramm. Seit 20 Jahren kontrolliert er als Gefahrgutbeauftragter in elf Gemeinden des Landkreises von Kaufungen bis Baunatal und Wolfhagen in Betrieben, Baumärkten und bei Privatleuten die Lagerung und den Umgang mit Säuren, Gasen und gefährlichen Flüssigkeiten. Im Sommer geht er in Rente.

Ordentlich verzurrt

„Problem Nummer eins ist die Ladungssicherung“, sagt der 58-jährige Angestellte der Gemeinde Kaufungen, die Teil des gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirks dieser Landkreiskommunen ist. Auf den Betriebshöfen kontrolliert er, ob Fässer mit leicht entzündlichen Stoffen ordentlich verzurrt sind.

Falsch gelagerte, mit dem Schweißgas Acetylen gefüllte Flaschen könnten beispielsweise explodieren. Falsch befüllte Tankwagen könnten beim Fahren in Kurven umkippen. Der gebürtige Witzenhäuser ist froh, wenn er Missstände entdeckt, bevor etwas passiert. So schritt er etwa in Baunatal-Rengershausen ein, als er entdeckte, dass ein Betrieb eine Abfüllstation für Flüssigsauerstoff nicht abgesichert hatte. Schramm erwischte auch einen Handwerker, der die Verschlusskappe einer Gasflasche vorschriftswidrig umgebaut hatte. „Ich habe viele Basteleien erlebt“, sagt der Gefahrgutbeauftragte.

Schwachstellen bei Vorsorge

Obwohl gesetzliche Vorschriften den Umgang mit gefährlichen Stoffen bis ins Detail regeln und sich in seinem Dienstbereich bislang keine schweren Unfälle ereigneten, sieht Schramm Schwachstellen bei der Vorsorge: Betriebe müssten zwar Sicherheitspläne vorlegen, er dürfe aber nicht prüfen, ob die auch zur Gefahrenabwehr geeignet seien.

Vorbildlich gesichert: Fahrer Pötter hat die Fässer so festgezurrt, dass sie nicht auf der Ladefläche herumrutschen können.

Privatleute wüssten oft nicht einmal, dass sie sich ab bestimmten Gefahrstoffmengen auch an strenge gesetzliche Regeln wie die Erstellung eines Sicherungsplans halten müssen.

Er glaube, dass Privathaushalte damit „hoffnungslos überfordert“ seien, sagt Schramm. Bei Speditionen, die mit Subunternehmern arbeiten, sei es schwierig, Verstöße nachzuweisen.

Mit Großbetrieben wie dem Volkswagenwerk in Baunatal und der Lohfeldener Firma Brenntag gebe es dagegen keine Probleme. Eigentlich seien überall flächendeckende Kontrollen nötig, sagt Schramm. Angesichts der wachsenden Zahl von Betrieben in der Region und des großen Überwachungsgebiets fehle dafür aber das Personal. Schramm verlässt sich deshalb auf seine „Nase“ für gefahrträchtige Situationen.

Von Peter Dilling

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