Hoffen auf Jungtiere in Sandershausen

Vogelschützer regen zweites Domizil für Störche in Niestetal an

Mögliche Konkurrenz: Diese vier Störche, die gestern in den Lossewiesen bei Kaufungen-Papierfabrik gesichtet wurden, könnten den Sandershäuser Vögeln ihr Nest streitig machen. Foto: Ketteritzsch

Niestetal. Paul Krum ist zufrieden. „Die Störche sind in diesem Jahr früh zurückgekommen“, sagt der Vorsitzende des Naturschutzbundes in Niestetal. Und: „Sie sollen am Samstag schon kopuliert haben.“

Die frühe Ankunft und die Paarungsbereitschaft lassen den Vogelschützer hoffen, dass in dem 2008 errichteten künstlichen Nest am Fuldaufer bei Sandershausen bald junge Störche aufgezogen werden.

So wie im vergangenen Jahr, als das Paar erstmals Nachwuchs bekam. Im Augenblick sieht Krum allerdings noch eine „kritische Phase“: Weil sich mehrere Störche in der Gegend aufhalten, könne es zu Kämpfen um das Nest kommen. Tatsächlich sind die Vögel nicht die einzigen ihrer Art in der Region. In den Feuchtwiesen an der Losse bei Kaufungen-Papierfabrik wurden am Montagmorgen gleich vier Störche gesichtet. Unbeeindruckt vom Verkehrslärm der nahen Bundesstraße 7 suchten sie dort nach Futter.

Um den Konkurrenzdruck unter den Störchen zu mildern, hat Vogelschützer Krum bereits im vergangenen Jahr einen Vorschlag unterbreitet. Er regte an, im Zuge der Renaturierung der Nieste-Aue gegenüber dem Rathaus ein weiteres künstliches Nest zu errichten. „Die Störche haben sich letztes Jahr dort aufgehalten und ließen sich selbst vom Festzug beim Gemeindejubiläum nicht stören“, erinnert sich Krum. Bei der Gemeinde zeigt man sich grundsätzlich offen für eine zweite Nistmöglichkeit. „Wir wollen das nicht ausschließen“, sagte Rathaussprecher Dennis Bachmann am Montag auf HNA-Anfrage.

Seit dem Wochenende sind Krum und seine Mitstreiter Walter Dellnitz und Karl-Heinz Löffler von der Nabu-Gruppe täglich in der Nähe des Sandershäuser Storchennests unterwegs. Sie hoffen, dass Spaziergänger und Hundebesitzer vernünftiger sind als in den vergangenen Jahren. Damals scheuchten frei laufende Hunde die Vögel bei der Nahrungssuche auf den Wiesen immer wieder auf. Eine Initiative der Niestetaler Grünen, für das Gebiet deshalb eine Leinenpflicht anzuordnen, fand im Parlament keine Mehrheit.

Dabei wird es wohl auch bleiben. „Es gibt seitens der Gemeinde keine Absicht, noch einmal darüber nachzudenken“, so Verwaltungssprecher Bachmann - zumal über eine neue parlamentarische Initiative nichts bekannt sei. Auch das Landesrecht hilft beim Schutz der Störche nicht weiter: Anders als im Nachbarland Niedersachsen gibt es in Hessen während der sogenannten Brut- und Setzzeit nämlich keine Anleinpflicht.

Die beiden anderen Storchennester in der Region, das Nest auf dem Fabrikschornstein in Reinhardshagen-Vaake und jenes bei den Vollmarshäuser Teichen (Lohfelden), waren gestern noch leer.

Von Peter Ketteritzsch

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