Ideenmanagement bei VW in Baunatal

Durch vier Millimeter 63.000 Euro gespart

Baunatal. In der Nachtschicht, sagt Andreas Thiel, habe die Gruppe mal probiert, ob die Sache überhaupt läuft. „Und es hat funktioniert.“

Mit ihrem Test helfen zehn Mitarbeiter der Wellenfertigung für das Direktschaltgetriebe DQ 250 dem Autobauer letztendlich Kosten zu senken. 63.000 Euro sind es insgesamt. Das hat das Ideenmanagement von VW errechnet.

Die Idee der Getriebebauer ist gut und einfach nachvollziehbar. Wurden bisher für Direktschaltgetriebe für mittelstarke Motoren größere Rohlinge für eine Antriebswelle verwendet, nutzt man jetzt eine kleinere Variante - mit vier Millimeter geringerem Radius.

„Bei dem großen Durchmesser müssen wir sehr viel Zerspanung machen“, erläutert Joachim Falken vom Ideenmanagement den aufwendigen Arbeitsprozess bis zur fertigen Antriebswelle. Das verschleiße unnötig viel Material und belaste die Maschinen zusätzlich. Außerdem koste der kleinere Rohling deutlich weniger im Einkauf - nur 23 statt 32 Euro. 63.000 Euro spart das Baunataler Werk ab sofort jährlich nur durch diese einzige Idee ein.

Der Vorschlag der zehn Mitarbeiter aus der Wellenfertigung ist nur ein Beispiel. Laut Joachim Falken gibt es durchaus noch wirkunsvollere Vorschläge, aber die seien kompliziert zu vermitteln. Die beste Idee aus dem Bereich Getriebebau aus dem Jahr 2012 spart VW in Baunatal satte 5,3 Millionen Euro.

Obwohl die Zahl der eingereichten Vorschläge von 2011 mit 8236 auf 7678 im Jahr 2012 leicht gesunken ist, ist die Einsparsumme demgegenüber in die Höhe geschnellt. Die jetzt erzielten 19,7 Millionen Euro bedeuten gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 60 Prozent.

„Wir haben drei, vier Knallerideen dabei“, nennt Michael Fischbach, im Werk für das Ideenmanagement verantwortlich, den Grund für diese enorme Entwicklung.

Im Vergleich: An allen deutschen VW-Standorten zusammen gab es gegenüber 2011 zwar auch eine Steigerung der Einsparsumme, diese lag aber nur bei 19 Prozent. 118,9 Millionen Euro bleiben insgesamt in der Kasse des Konzerns.

Über ein Prämiensystem werden die Mitarbeiter für ihre Lösungsvorschläge belohnt. Zwischen zehn und 50 Prozent der Einsparsumme bekommen die Beschäftigten ausgezahlt. Allerdings gibt es einen Höchstbetrag, der aber von VW nicht öffentlich genannt wird. Die Summe liegt nach Informationen der HNA bei rund 50.000 Euro.

Von Sven Kühling

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