Mitarbeiter reichten 3900 Vorschläge ein

Ideenmanagement: VW spart durch Mitarbeiter Millionen

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Die doppelte Pappe bringt’s: Jörg Immig (links) hatte die Idee, die Abgasanlagen anders einzupacken. Weniger Teile werden nun beim Transport ins polnische Werk Poznan beschädigt. Im Hintergrund packt Mitarbeiter Sven Pfläging die Teile für den VW-Caddy in einen Container.

Baunatal. Verbogene Auspuffrohre - dieser Anblick gefiel Jörg Immig überhaupt nicht. Der Güteprüfer in der Abgasanlagenfertigung von VW machte sich deshalb Gedanken, wie man den Transport der Teile aus Nordhessen ins Werk Poznan in Polen verbessern könnte.

Denn dort holen die Monteure für den VW Caddy immer mal wieder verbogene Teile aus den Transportcontainern. Immigs Idee, die Abgasanlagen ab sofort mit Doppelpappe einzupacken, spart dem Standort Baunatal 7400 Euro pro Jahr. Viel weniger Teile werden jetzt bei der Fahrt nach Polen beschädigt.

Kurzclip: VW-Mitarbeiter Joachim Falken über das Ideenmanagement

Die Idee von Jörg Immig ist nur eine von 3900, die VW-Mitarbeiter im ersten Halbjahr 2013 beim Ideenmanagement einreichten. Etwa 45 Prozent dieser Tipps werden schließlich umgesetzt und von Volkswagen auch prämiert, erläutert Michael Fischbach, Verantwortlicher für das Ideenmanagement. 9,4 Millionen Euro spare der Standort jährlich allein durch diese Vorschläge ein. 1,5 Millionen werden laut Fischbach wieder als Prämie ausgeschüttet. Wieviel jeder Mitarbeiter für eine berücksichtigte Idee bekommt, darüber sagt der Autobauer nichts.

Bisher hätten die Mitarbeiter beim Verpacken der Abgasanlagen einlagige Pappe verwendet, erläutert Jörg Immig seine Idee weiter. Dadurch seien die Bauteile aber nicht gut geschützt gewesen und im Container zudem häufiger nach oben über den Rand gerutscht. Beim Draufsetzen weiterer Container und dem Verladen mit dem Gabelstapler seien deshalb immer wieder Rohre verbogen und eingedrückt worden.

Außerdem verkeilten sich die Teile durch die stabilere Verpackung nun so, dass sie kaum noch verrutschen könnten, ergänzt Joachim Falken, bei VW in Baunatal für das Ideenmanagement zuständig. Die Beanstandungen an Abgasanlagen aus Baunatal durch das Werk Poznan gingen von 36 pro Jahr auf 21 zurück.

Über 50 Jahre gibt es das Ideenmanagement, das früher Vorschlagswesen hieß. „Es ist ein Erfolgsmodell“, sagt Mario Reuting vom Betriebsrat. Im Schnitt wirke sich jede Idee im Konzern vier Jahre aus. Es gebe aber auch Komponenten, die in Baunatal gefertigt werden, da wirke ein gute Idee 20 Jahre nach.

Erfolgsmodell

Eine gute Idee ist auch die von insgesamt zwölf Mitarbeitern aus dem Getriebebau in Halle 3. Dort werden Montagetische über eine Leitung mit Druckluft versorgt. Wenn ein Montagetisch repariert werde, musste die Druckluft bislang abgeschaltet werden, erläutert Falken. „Am Nachbartisch ging dann ebenfalls nichts mehr.“ Es kam zum Produktionsstopp.

Durch den Einbau von einfachen T-Stücken in die Druckluftleitung hat sich das nun geändert. Die Nachbaranlage kann nun einfach weiterlaufen.

Von Sven Kühling

Hintergrund

Einsparungen von 63,6 Millionen Euro hat das Ideenmanagement im ersten Halbjahr an allen deutschen VW-Standorten zusammengebracht. Über 33 000 Mitarbeiter beteiligten sich laut Pressemitteilung des Konzerns daran.

14 582 Vorschläge wurden an den Standorten letzendlich umgesetzt und mit insgesamt 11,5 Millionen Euro an Prämien vergütet.

Bei der Beteiligung sowie der Summe der Prämie verzeichnete der Konzern gegenüber dem Vorjahreszeitraum eine Steigerung von zwei Prozent, beim Einsparpotenzial seien es sogar acht Prozent Zuwachs.

Die Einsparung von über 63 Millionen Euro sowie über 33 000 eingereichte Vorschläge sind nach Angaben von VW Rekordwerte. „Volkswagen-Mitarbeiter haben so viele gute Ideen wie nie zuvor“, heißt es. (sok)

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