Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gestellt

Illegale Downhill-Strecken halten Forstamt auf Trab

Risiko: Die steilen Abfahrten können für Jugendliche ohne entsprechende Ausrüstung schnell zur Gefahr werden.

Kreis Kassel. Es ist ein Hase-und-Igel-Spiel zwischen Extremsportlern auf der einen Seite und den Förstern auf der anderen: Seit einigen Jahren werden offenbar regelmäßig illegale Downhill-Strecken (Abfahrten für Mountainbikefahrer) im Habichtswald angelegt.

Der Schaden beläuft sich mittlerweile auf mehrere tausend Euro, wie Forstamtsleiter Uwe Zindel auf HNA-Anfrage bestätigt.

„Wir haben heute Morgen alle bekannten Strecken mit unserer Forstmaschine beseitigt“, sagte der zuständige Revierförster, Dieter König, am Freitagvormittag. Eine Strafanzeige gegen unbekannt sei beim Polizeirevier Baunatal erstattet worden. Entlang der illegalen Downhill-Strecke habe König zudem eine Feuerstelle sowie ein Graffito auf einem alten Bunker entdeckt.

Im Zuge der Streckenbeseitigung hat das Forstamt Wolfhagen nun Warnschilder aufgestellt, wie Zindel berichtet. Darauf steht: „Die Abgrabungen und Downhill-Bauwerke sind erhebliche Sachbeschädigungen und gefährden die Sicherheit der Bevölkerung ... Von den Verursachern sind Bußgelder und die Kosten der Beseitigung zu bezahlen.“

Das Forstamt habe eine Verkehrssicherungspflicht, begründete Zindel das radikale Vorgehen. Problematisch sei, dass die Strecken von Semi-Profis angelegt würden, die für die rasanten Abfahrten spezielle Downhill-Räder nutzten und Protektoren zum Schutz vor schweren Verletzungen trügen. „Ich habe schon häufig Jugendliche beobachtet, die den Semi-Profis nacheifern - ohne die dafür nötige Ausrüstung“, berichtete der Revierförster, der regelmäßig die steilen Waldbereiche auf illegale Downhill-Strecken kontrolliert. „Sobald ich eine durch Zufall finde oder Hinweise aus der Bevölkerung erhalte, wird die Gefahrenquelle beseitigt“, sagte König.

Bislang gibt es keine offizielle Downhill-Strecke im Habichtswald. Aber die Abteilung Downhill / Freeride des Vereins Grün Weiß Kassel plant eine Abfahrt am Hohen Gras in Nachbarschaft zur Skipiste. Derzeit laufen die Abstimmungen mit Naturschutz und Forst (wir berichteten).

Das sagt der Polizeisprecher

„Das Anlegen illegaler Downhill-Strecken ist eine Straftat“, sagte Polizeisprecher Jürgen Wolf auf HNA-Anfrage. Laut Strafgesetzbuch wird einfache Sachbeschädigung mindestens mit einer Geldstrafe, höchstens mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren geahndet. Bei der gemeinschädlichen Sachbeschädigung droht sogar eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Da es sich beim Habichtswald um einen „Gegenstand zum öffentlichen Nutzen“ handelt, liege hier womöglich eine gemeinschädliche Sachbeschädigung vor. Das Nutzen der illegalen Strecken sei indes keine Straftat. „Um einen Täter der Sachbeschädigung zu überführen, müsste er eindeutige Spuren hinterlassen oder auf frischer Tat ertappt werden“, erklärte Wolf. 

Hintergrund: Downhill mit dem Mountainbike

Downhill ist die englische Bezeichnung für die Bergabfahrt. Diese Variante umfasst verschiedene Sportarten, insbesondere das Mountainbiking (Radsport) und Ski. Dabei kommt es darauf an, eine bergab führende Strecke in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen. Im Radsport gilt es, eine abgesperrte, bergab führende Strecke mit speziellen Fahrrädern (Downhill-Mountainbikes) so schnell wie möglich zu fahren. Die Strecken führen durch unwegsames Gelände mit natürlichen Hindernissen. Dabei werden Geschwindigkeiten bis über 70 Kilometer pro Stunde erreicht. Wegen der hohen Sturzgefahr kann Downhill als Extremsportart bezeichnet werden.

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