Landkreis stattet Müllbehälter mit Inventarsystem aus – Etiketten-Aktion kostet 800 000 Euro

400 illegale Tonnen aussortiert

So wird es gemacht: Betriebsleiter Uwe Pietsch (rechts) und sein Stellvertreter Jörg Hezel zeigen, wo der Barcode an der Mülltonne aufgeklebt werden soll. Foto: Dilling

Kreis Kassel. Der Landkreis Kassel macht noch bis 2014 Inventur unter seinen rund 240 000 Abfallbehältern. Sie bekommen Barcode-Aufkleber, die mit dem Computer ausgelesen werden können.

Mit diesem Inventur-System sollen „schwarze Schafe“ unter den Entsorgungskunden aufgespürt, der Service verbessert, Irrtümer bei den Leerungen sowie überflüssige Fahrten der Müllwerker vermieden und so unterm Strich Kosten gespart werden.

Die 800 000 Euro, die der Kreis über drei Jahre in das Projekt investiert, seien gut angelegtes Geld, sagt Betriebsleiter Uwe Pietsch. Wenn Mülltonnen, für die keine Abfallgebühr bezahlt wird, geleert werden, kostet das den Kreis zusätzlich Geld. Wenn Behälter unterschiedlicher Größe unter Hausbesitzern versehentlich vertauscht werden, bedeutet das Ärger, weil der eine zu viel, der andere aber zu wenig bezahlt. Beides kommt im Landkreis anscheinend öfter vor, als es die Müllwerker erwartet haben.

Im Nordkreis, wo die Inventarisierung bereits abgeschlossen ist, seien bereits rund 400 wilde Mülltonnen aussortiert worden, berichtet Pietsch. „Da kennt jemand einen, der eine zusätzliche Tonne besorgen kann“, sagt der Betriebsleiter. Hochgerechnet käme man kreisweit auf 1,5 Prozent illegale Tonnen, ergänzt Kreissprecher Harald Kühlborn. „Das entspricht ungefähr unseren Erwartungen.“ Häufig nähmen Bürger bei einem Umzug innerhalb des Landkreises auch ihre Tonne an den neuen Wohnort mit, weiß Betriebsleiter Pietsch. Wenn sie dies nicht meldeten, erhielten sie eine weitere Tonne. Außerdem gebe es „viele herrenlose Tonnen“.

So etwas ist künftig ausgeschlossen. Denn mit dem Barcode auf den Tonnen können die Müllwerker jeden Behälter eindeutig einem bestimmten Grundstück zuordnen und feststellen, ob er bereits einmal geleert wurde.

Der Landkreis setzt bei dem Inventarisierungssystem auf die Mitarbeit der Bürger. Sie erhalten ein Anschreiben und zwei große Aufkleber mit dem Barcode und der Bitte, diese selbst an der Tonne anzubringen. Das habe bisher trotz etlicher telefonischer Rückfragen gut funktioniert, sagt Pietsch.

Bewohner des Kreises zahlen 183,12 Euro Jahresgebühr für eine 80-Liter-Restabfalltonne. Die derzeit laufende Inventarisierung der Behälter und die damit einhergehende Steigerung der Effizienz sollen helfen, diesen im Vergleich zur Stadt Kassel sehr günstigen Preis zu halten. HINTERGRUND / KOMMENTAR

Von Peter Dilling

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