Problem in ganz Hessen

Im Kreis Kassel gibt es einen Mangel an Hebammen

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Vielfältige Aufgaben: Hebammen sind für Frauen vor, während und nach der Geburt sehr wichtig. Sie machen Untersuchungen, stehen aber auch beratend zur Seite. 

Kreis Kassel. Junge Eltern sind meist auf eine Hebamme angewiesen. Sie steht der Familie auch nach der Geburt zur Seite. Doch die Lage spitzt sich zu: Es gibt zu wenig Hebammen.

„Vor zehn Jahren war das noch eher ein Problem im Rhein-Main-Gebiet, doch jetzt ist es auch in ganz Hessen angekommen“, sagt Gabriele Kopp, Vorsitzende des Landesverbandes der Hessischen Hebammen in Kassel. Der Grund dafür sei, dass niemand mehr unter den Bedingungen des Berufs arbeiten will. „Sie zahlen hohe Versicherungsbeiträge und verdienen wenig“, sagt Kopp.

Zahlenmäßig gebe es allerdings genug Hebammen. Nur diese arbeiteten nicht in ihrem klassischen Beruf, sondern in anderen Bereichen. Das könne zum Beispiel in der Babymassage oder ähnlich speziellen Gebieten sein.

Doch sei es gerade wichtig, Mütter kurz nach der Geburt zu begleiten. „Heute werden die Frauen oft schon am zweiten Tag nach der Entbindung aus dem Krankenhaus entlassen. Dann haben sie 1000 Fragen und brauchen Unterstützung.“

Schwangere haben es nicht leicht

Dr. Karin Müller vom Gesundheitsamt Region Kassel bestätigt, dass es heute für Schwangere schwieriger ist, eine Hebamme zu finden, als früher. Das liege auch an der höheren Geburtenzahl. Laut Statistischem Landesamt ist die Zahl der Geburten im gesamten Landkreis Kassel seit 2006 um satte 20 Prozent gestiegen. Hebamme Astrid Jost aus Kassel fügt hinzu, dass die Chance eine Hebamme fürs Wochenbett zu finden größer ist, wenn die Schwangere rechtzeitig sucht: also im 4. bis 5. Monat.

Wie viele Hebammen es in Stadt und Landkreis gibt, ist nicht zu erfahren. „Selbst wenn wir die absolute Zahl hätten, würde diese überhaupt nichts aussagen“, sagt Karin Müller. „Hebammen arbeiten nämlich oft nicht in der klassischen Aufgabe der Begleitung der Schwangerschaft und der ersten Zeit mit Kind.“

140 Hebammen in Stadt und Landkreis Kassel gehören dem Hessischen Hebammenverband an. Weil die Mitgliedschaft im Verband aber freiwillig ist, könne man nicht darauf schließen, wie viele Hebammen es wirklich in der Region gibt, erklärt Gabriele Kopp. Auf jeden Fall solle man sich als Schwangere früh um eine Hebamme kümmern.

Liste mit Hebammen in und um Kassel

Eine Liste mit Hebammen wird jeder werdenden Mutter von Kasseler Gynäkologen übergeben. Demnach gibt es in Kaufungen zum Beispiel nur eine Hebamme. In Vellmar gibt es drei, in Fuldabrück ebenfalls. Hausgeburten begleitet laut der Liste keine. Aber auch diese Zusammenstellung sei nicht vollständig.

„Es gibt allgemein sehr wenige Hebammen, die Hausgeburten anbieten“, sagt Karin Müller. Das ist ein Riesenproblem.“

Hier gibt es eine Liste mit Hebammen für den Landkreis Kassel.

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