Islamische Bestattungen: „Imam hält Zeremonie“

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Lars Barchfeld, Bestatter, der auch muslimische Beisetzungen vornimmt

Kaufungen. Erstmals wurde auf dem Friedhof in Oberkaufungen ein Muslim beigesetzt. Über die speziellen Abläufe bei islamischen Beerdigungen sprach HNA-Volontärin Nicole Schippers mit dem Bestatter Lars Barchfeld (35) aus Kaufungen.

Herr Barchfeld, wie viele muslimische Bestattungen haben Sie bereits vorgenommen? 

Lars Barchfeld: Insgesamt habe ich bisher etwa 15 muslimische Bestattungen gemacht. Jährlich sind es circa zwei bis drei. Wir haben das also schon häufiger gemacht und kennen die Abläufe. Die Nachfrage nach muslimischen Bestattungen bleibt relativ konstant. Viele Muslime lassen sich nach ihrem Tod in ihr Herkunftsland überführen.

Was musste bei der Bestattung auf dem Friedhof in Oberkaufungen beachtet werden? 

Barchfeld: Muslime können nur in Erde beigesetzt werden, in der nicht schon vorher jemand beerdigt worden ist. Daher ist auf dem Friedhof in Oberkaufungen jetzt eine Fläche zur Verfügung gestellt worden, auf der es bislang noch keine Gräber gab. Dort ist noch Platz für etwa zehn weitere Grabstellen.

Inwiefern unterscheiden sich die Aufgaben eines Bestatters bei einer muslimischen Beerdigung von denen bei einer christlichen? 

Barchfeld: Bei einer muslimischen Beisetzung stellen wir den Sarg, organisieren den Transport des Leichnams zur rituellen Reinigung in den dafür vorgesehenen Raum – in diesem Fall in der Moschee – und von dort wieder zum Friedhof. An der Waschung des Toten sind wir nicht beteiligt. Das machen Angehörige gleichen Geschlechts. Sie hüllen den Toten in ein Leichentuch, und ein Imam hält eine Zeremonie ab. Wenn diese Rituale abgeschlossen sind, fahren wir den Leichnam im Sarg zum Friedhof, wo er mit dem Gesicht gen Mekka liegend bestattet wird. Normalerweise tragen männliche Angehörige den Sarg, aber da es sich um die erste Bestattung auf dem Oberkaufunger Friedhof gehandelt hat, haben wir Träger der Gemeinde Kaufungen gestellt.

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