Die Modistin und Künstlerin Rita Schmidt aus Simmershausen schwärmt von ihrem alten Beruf

Immer gut behütet unterwegs

Zeigt ihr Können bei Ausstellungen und Kunsthandwerkermärkten: Hutmacherin Rita Schmidt mit ihren Kopfbedeckungen kürzlich beim Kreativmarkt im Rathaus in Ihringshausen. Fotos:  Wienecke

Fuldatal. „Eigentlich wollte ich ja Kinderkrankenschwester werden“, erinnert sich Rita Schmidt. „Da meine Mutter Kriegerwitwe war, konnten wir uns diese Ausbildung jedoch nicht leisten“, erzählt sie.

Auf der Suche nach einer Alternative fragte sie gemeinsam mit ihrer Mutter beim Arbeitsamt in Kassel nach. „Das Mädchen sollte Blumenbinderin oder Putzmacherin werden“, empfahl die Sachbearbeiterin schließlich.

Rita Schmidt wusste zwar damals nicht auf Anhieb, was dies für ein Beruf war, aber zur Putzmacherin, zur Hutmacherin oder Modistin, ließ sie sich tatsächlich ausbilden. „Der Putz ist der Schmuck, der am Hut angebracht wird, also die Garnitur“, erläutert sie.

Im Kasseler Hutgeschäft Michel am Entenanger fand sie schließlich einen Ausbildungsplatz. „Ich liebe meinen Beruf und habe es nie bereut“, sagt die 71-Jährige. Mit einem Dampfbügeleisen, einem Hutkopf und einem Filzrohling, der Stumpen genannt wird, erläutert sie das Prinzip des Hutmachens am heimischen Esszimmertisch. „Haarfilz lässt sich wunderbar verarbeiten, er stammt von Kaninchen, ist gefügig und trägt sich gut bei Wind und Wetter.“

Mit dem Dampfbügeleisen und einem nassen Leinentuch wird der Filzrohling zunächst geschmeidig gemacht, um dann energisch über den hölzernen Hutkopf gezogen und darauf geglättet zu werden. „Früher benutzte man einen elektrischen Eisenkopf, den man auf verschiedene Hutgrößen einstellen konnte“, berichtet Rita Schmidt.

„Auch mit dem Dampfbügeleisen sollte man sorgsam umgehen, um Glanzstellen auf dem Stoff und Brandblasen an den Händen zu vermeiden. Das ist schon eine heiße Angelegenheit“, sagt sie und lacht. Nachdem der sorgfältig in Form gebrachte Hut getrocknet ist, wird zwischen seinem Kopf und dem Rand, der Krempe, ein Taillenband angebracht. Im Inneren wird Futterband befestigt.

Zuvor wird die Krempe fertiggestellt und eine schmückende Garnitur mit großen unsichtbaren Stichen angebracht. „Von außen sichtbare Spannung darf dabei nicht entstehen. „Zum Dekorieren formt man beispielsweise Blüten aus Stoff. Auch Reiherfedern sind zart und edel“, erläutert die Hutmacherin. Ihr Augenmaß und ihr Geschick waren der dreifachen Mutter, die fünf Enkelkinder hat, stets dienlich. „Man entwickelt eine kreative Ader“, sagt sie. Und auch beim Herstellen von Blumengestecken und Adventskränzen zeigt sich dies immer wieder. Und so ist aus Rita Schmidt, die in Simmershausen seit vielen Jahren als Küsterin tätig ist, nicht nur eine Putzmacherin, sondern auch eine Blumenbinderin geworden.

Von Bettina Wienecke

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