Pfarrer Johannes Barth unterrichtet vier Stunden pro Woche Religion an der IGS

Immer freitags ist er Lehrer

Stichworte sammeln: Lea-Diana (vorn von links), Tabea, Pfarrer Johannes Barth, Lukas (hinten von links) und Pascal zeigen, was ihnen zum Thema Mose einfällt. Fotos: Glass

Kaufungen. Freitagvormittag, kurz vor zehn Uhr im Lehrerzimmer der Gesamtschule Kaufungen: Johannes Barth wirft einen letzten Blick auf seine Unterlagen, verstaut sie in der Tasche und macht sich gemeinsam mit den Lehrern auf den Weg zu den Klassenzimmern. Immer freitags ist der Pfarrer Lehrer. Dann gehört seine ganze Aufmerksamkeit den Mädchen und Jungen der Kaufunger Schule. „Das ist so“, sagt der 41-Jährige und meint die Regelung, dass ein Pfarrer dazu verpflichtet ist, neben dem Gemeindedienst vier  Stunden Religion pro Woche an einer örtlichen Schule zu unterrichten.

Sein Kollege Bernd Hartmann gibt an der Oberkaufunger Grundschule Religionsunterricht. In Niederkaufungen unterrichten die Pfarrer Gottfried Bormuth und Andres Synofzik.

Als sprichwörtliche Verpflichtung betrachtet Johannes Barth den Lehrerdienst aber nicht. „Mir macht es Spaß“, sagt er und packt seine Unterlagen auf den Tisch. Neben dem Religionsunterricht hält er auch Schulgottesdienste. Inzwischen sind die Mädchen und Jungen der Klasse 5 d, die Barth immer freitags für die Dauer von zwei Schulstunden unterrichtet, aufgestanden und begrüßen ihren Lehrer. Und der steigt direkt ins Thema ein: Mose und der Auszug aus Ägypten steht auf dem Plan. Für die Fünftklässler ein neues Thema, für das sie in Gruppen Stichworte sammeln und auf Karten schreiben sollen. „So sehe ich, was sie bereits über das Thema wissen“, sagt der Pfarrer.

Während sich die Kinder in Kleingruppen zusammentun und arbeiten, gibt Barth Hilfestellung und prüft zwischendurch sein Handy - er hat Bereitschaftsdienst in der Notfallseelsorge. „Der Dienst dauert eine Woche lang, in der man rund um die Uhr erreichbar sein muss“, sagt er. Heute ist der fünfte Tag. Gebraucht wird er dann vor allem bei Todesfällen, um den Angehörigen beizustehen. Neben den alltäglichen Dingen ein Spagat, der zum Pfarrberuf dazugehört. Doch an diesem Vormittag schweigt das Telefon und Johannes Barth widmet sich wieder den Schülern. „Kommt jetzt bitte langsam zum Ende“, sagt er und blickt auf die Uhr. Er hat noch einiges vor mit den Fünftklässlern. Die versammeln sich im Halbkreis und kleben ihre Karten mit den jeweiligen Stichwörtern nacheinander an die Wand. Und dann entwickelt sich daraus - Stück für Stück - die Geschichte über Mose und den Auszug aus Ägypten.

Botschaft ist wesentlich

Dem Pfarrer ist es wichtig, dass die Kinder nicht nur die Geschichte kennenlernen. Die Botschaft, die dahintersteckt, sei das Wesentliche. „Gott geht gegen Unrecht an und Gott kann auch mir helfen und Mut machen, mich zu wehren“, sagt er. Diese Botschaft will er den Fünftklässlern mit auf den Weg geben.

Von Vera Glass

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