Immer mehr nutzen Familienberatung

Hilfe in Krisensituationen: Die Jugend- und Familienberatung beim Landkreis Kassel bietet Unterstützung an, wenn Kinder und Jugendliche Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Die Beratungsgespräche unterliegen der Schweigepflicht. Foto: dpa

Kreis Kassel. Die Jugend- und Familienberatung des Landkreises Kassel bietet seit 40 Jahren Hilfe, wenn es Konflikte mit dem Nachwuchs gibt, und Eltern nicht mehr weiter wissen.

Wer mit der Erwartung kommt, für alle zukünftigen Probleme einen Leitfaden an die Hand zu erhalten, der wird enttäuscht. Wer sich jedoch an die Jugend- und Familienberatung des Landkreises Kassel wendet, um in einer akuten Konfliktsituation mit dem Nachwuchs unterstützt zu werden, der hat gute Chancen, dass dies auch gelingt.

Die Gründe, warum sich Eltern an die Beratungsstelle wenden, lassen sich dabei grob in drei Kategorien einteilen, weiß Diplom-Sozialpädagogin Franziska Schlag. Langwierige Krankheiten in der Familie, Trennung der Eltern oder schulische Probleme führen demnach am häufigsten zu Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern. Wobei die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle in der jüngeren Vergangenheit zwei Muster beobachtet haben, die die Fallzahlen steil nach oben schnellen ließen.

Immer mehr Eltern, so sagt Schlag, geben ihren Kindern keine Orientierung mehr und zeigen keine Grenzen auf. „Liebe allein reicht nicht“, bringt sie es auf den Punkt. Ein zweiter Aspekt sei der steigende Leistungsdruck, dem junge Menschen in der Schule ausgesetzt würden.

Im vergangenen Jahr zählte die Beratungsstelle 380 Fälle, was gegenüber früheren Zeiten einen deutlichen Anstieg darstellt. Erfreulich: 80 bis 85 Prozent davon wurden erfolgreich abgeschlossen.

Den Weg zu Franziska Schlag und ihren vier Kolleginnen empfehlen in den meisten Fällen Lehrer, Ärzte oder Mitarbeiter des allgemeinen sozialen Dienstes beim Jugendamt. Dabei sind Wartezeiten von vier bis sechs Wochen für Ratsuchende eher die Regel als die Ausnahme. Maximal 20 Termine à 60 Minuten sind möglich, sagt Schlag. In den meisten Fällen reichen drei Sitzungen aus.

Auffallend in den Beratungsgesprächen ist die zumeist gute Mitarbeit der Kinder und Jugendlichen. „Man merkt ihnen an, dass sie dankbar für das Angebot und froh sind, wenn sich endlich jemand um sie kümmert und sie ernst genommen werden“, sagt Schlag.

Das Signal, das die Kinder und Jugendlichen an die Beratenden aussenden, ist: „Wir erhoffen uns von den Terminen etwas.“

Ein neues Betätigungsfeld ist derzeit in der Jugend- und Familienberatung im Aufbau begriffen. Mit Zunahme der Migranten im Landkreis Kassel steigt auch der Bedarf unter diesen Menschen an einer Erziehungsberatung.

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