Derzeit helfen rund 50 Lehrer aus

In Stadt und Kreis fehlen Förderschullehrer

Kreis Kassel. In Hessen gibt es zu wenige Lehrer an Grund- und Förderschulen, deshalb will Kultusminister Alexander Lorz (CDU) jetzt Pensionäre aktivieren.

In Stadt und Kreis Kassel ist die Lage nicht so dramatisch, allerdings fehlen auch hier Lehrkräfte an Förderschulen, teilt das Staatliche Schulamt Kassel mit.

Helga Dietrich

Im Kreis Kassel gibt es 50 Grundschulen, an denen 525 Lehrer insgesamt rund 7500 Schüler unterrichten. An den vier Förderschulen sind es 182 Lehrkräfte für 429 Schüler. Vertretungskräfte sind dabei jeweils nicht eingerechnet. „Im Bereich Grundschulen stehen ausreichend Bewerber zur Verfügung“, sagt Helga Dietrich, Leiterin des Staatlichen Schulamts Kassel.

Für Förderschulen würden dagegen ausgebildete Lehrkräfte fehlen, sagt sie. Mangelnde Bewerber für diese Schulform würden durch die Einstellung von Lehrern mit allgemeinbildenden Lehrämtern ausgeglichen, so Dietrich. In Stadt und Kreis Kassel seien das rund 50 Stellen.

„Steigender Bedarf“

In den vergangenen Schuljahren konnten laut Dietrich „im Prinzip“ alle Stellen ohne Probleme neu besetzt werden. Ausnahmen gab es beispielsweise bei Musik in der Grundschule – oder eben bei den Förderschulen.

Trotz des Lehrermangels an manchen Schulen: „Die Verpflichtung einer bedarfsgerechten Unterrichtsversorgung wird vollständig erfüllt – mit minimalen Ausnahmen von wenigen Stunden.“ Fallen Lehrer für längere Zeit aus, werden andere Lehrkräfte mit befristeten Verträge angestellt. „Für kurzfristige Ausfälle steht allen Schulen ein Budget für die Sicherstellung der verlässlichen Schulzeit zur Verfügung, das zu stundenweisem Ersatz mit Vertretungskräften zu nutzen ist,“ sagt die Schulamtsleiterin.

In Zukunft stehe kurz- und mittelfristig zumindest für Grundschulen „eine ausreichende Anzahl von Bewerbern im Amtsbezirk Kassel zur Verfügung“. Für die Förderschulen im Kreis sei dagegen ein „steigender Bedarf an ausgebildeten“ Lehrern abzusehen.

Andrea Michel

„Die Grundschulen sind ganz gut versorgt“, sagt Andrea Michel, Mitglied des Bezirksvorstands Nordhessen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Allerdings: „Perspektivisch wird es dort auch schwer werden. Es gibt viele Kollegen, die in nächster Zeit in den Ruhestand gehen.“ Dass so wenige Förderschullehrer zur Verfügung stehen, hat aus Michels Sicht auch mit den Studienmöglichkeiten zu tun. Förderschullehramt könne man in Hessen nur in Gießen und Frankfurt studieren, und dort auch nur einige Fächer. Die Uni Kassel habe sich für das Förderschullehramt bisher nicht geöffnet. Diskutiert worden sei das schon häufiger.

„Der Markt ist leergefegt“, sagt Michel, die Förderlehrerin an der Offenen Schule in Waldau ist. „Dass die Not so groß ist, liegt auch am Berufsbild.“ Viele seien verunsichert, weil sie nicht wüssten, ob sie Berater oder Lehrer seien. Die beratende Arbeit nehme immer mehr zu. Wer das Studium Förderschullehramt abschließe, bekomme in jedem Fall eine Festanstellung.

In Zukunft werde die Situation der Förderschullehrer „eine Katastrophe“. Gerade im Bereich der Ausbildung müsse etwas getan werden. Für Grundschullehrer müsse außerdem die Bezahlung besser werden, die sehr schlecht sei. 

Rubriklistenbild: © dpa

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