Kritik am NVV: Züge der Regiotram fuhren gar nicht oder verspätet

Haltestelle Casselbreite: Zahlreiche Züge der Regiotram fielen aus oder kamen verspätet. Auf der elektronischen Anzeige werden diese Änderungen derzeit nicht angezeigt. Foto: Schräer

Ahnatal. Verlässlich ist anders. Mit der Regiotram morgens von Ahnatal nach Kassel zu pendeln und am späten Nachmittag wieder zurück, sei immer häufiger ein Glücksspiel. Diese Erfahrung machte Isabel von Papen. Und nicht nur sie.

„Gerade auf der Fahrt haben sich wieder alle über die Zugausfälle unterhalten“, sagt die 40-jährige Bibliothekarin. Jeden Werktag steigt von Papen um 7.08 Uhr an der Haltestelle Casselbreite in Heckershausen in die Regiotram der Linie 4. Und nach der Arbeit in Kassel nutzt sie die gleiche Linie ab 17.07 Uhr vom Hauptbahnhof, um wieder nach Hause zu kommen. Wenn die Züge denn pünktlich sind oder überhaupt fahren.

Seit Ende Mai häuften sich die Probleme. Isabel von Papen hat eine Liste zusammengestellt. Auf dieser sind seit 22. Mai allein sechs Zeiten registriert, an denen die Regiotram gar nicht fuhr, an einem weiteren Termin war der Zug 40 Minuten verspätet. Besonders betroffen: die Verbindung am Nachmittag von Kassel nach Ahnatal.

Sei dies der Fall, nehme sie den nächsten Zug der Linie RT 4, der in Kassel um 17.42 Uhr startet und komme entsprechend später zu Hause an. Am Morgen aber sei ein Ausfall „ein richtiges Problem“. Entweder müsse sie kurzfristig ein Auto organisieren, mit dem Bus Richtung Vellmar fahren und dort in die Straßenbahn steigen - „das ist deutlich zeitaufwendiger“ - oder auf die nächste Regiotram in Heckershausen warten. An der Arbeitsstelle habe sie Gleitzeit, „ich kann die Verspätungen nacharbeiten“. Sie habe aber von anderen Fahrgästen gehört, die Ärger mit ihrem Arbeitgeber bekommen hatten.

Dass Regiotrams verspätet oder gar nicht fahren, nervt die 40-Jährige. Noch mehr aber könne sie sich über „fehlende Auskünfte“ aufregen. „Man weiß nicht, lohnt sich das Warten, weil der Zug gleich kommt. Oder warum fährt diese Bahn gar nicht.“

Denn einen Lautsprecher gibt es an der neuen Haltestelle Casselbreite nicht, über den Durchsagen erfolgen könnten. Und die elektronische Anzeige informiere nur über die regulären Fahrten „und reagiert nicht auf die aktuelle Situation“, sagt von Papen. Warum funktioniere dies am Hauptbahnhof und den anderen Haltestellen in Kassel? „Das ist doch das gleiche System“, meint die Bibliothekarin.

Die auf dem Fahrplan am Unterstand Casselbreite ausgedruckte Service-Hotline hat die Ahnatalerin wie andere wartende Fahrgäste mehrfach angerufen. Aber auch dort gebe es keine richtige Information. Dort hieß zum Beispiel, als eine Regiotram ausfiel, „wieso, die fährt doch“.

Bei all dem Ärger gebe es aber auch Positives, sagt von Papen. An einem Tag ohne Regiotram habe die Kurhessenbahn außerplanmäßig in Heckershausen gehalten und die Wartenden mitgenommen. „Da haben wir uns alle gefreut.“

Die Ausfälle der Regiotram-Linie (RT) 4, die Isabel von Papen aufgelistet hatte, bestätigt Sabine Herms, Sprecherin des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV). Als Gründe habe die verantwortliche Regiotram Betriebsgesellschaft, das Gemeinschaftsunternehmen aus Deutscher Bahn (DB), Hessischer Landesbahn und Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG), einen hohen Krankenstand bei den Zugführern und technische Probleme auf der Strecke zwischen Kassel und Wolfhagen angegeben.

Erkrankte Mitarbeiter hätten sich zum Teil erst sehr kurzfristig abgemeldet. Gelegentlich sei erst klar gewesen, dass ein Zug nicht fuhr, weil er am Bahnhof ohne Zugführer stand.

Über Ausfälle oder Verspätungen „sollte eigentlich auch die elektronische Anzeige an der Haltestelle Casselbreite informieren“, betont Herms. Die DB beziehungsweise die Kurhessenbahn, der die Strecke gehöre, habe aber mitgeteilt, dass seit vier Wochen nur der Fahrplan angezeigt werden könne, der gefahren werden soll. Grund sei eine neue Software, mit der es Probleme gebe. Derzeit werde mit der Fachfirma, die die Anlage installiert hatte, das System repariert. Ab Ende Juni sollen auch Änderungen im Fahrplan wieder angezeigt werden können.

Übrigens gibt es auf der RT-Linie 4 laut Herms zwei verschiedene Systeme der Fahrgastinformation an den Haltestellen. In Kassel werden die Anzeigen von der KVG betrieben und funktionierten derzeit auch.

Der Eindruck der Ahnatalerin von Papen war richtig, dass speziell ihre Verbindung Kassel - Ahnatal ab 17.07 Uhr vom Hauptbahnhof ausfiel. Diese sei von der Betriebsgesellschaft ausgewählt worden, als Personal fehlte, sagt die NVV-Sprecherin. Denn es gebe für die Fahrgäste eine Alternative.

Kurze Zeit später, um 17.18 Uhr, fahre die Regiotram Richtung Melsungen ab Hauptbahnhof. Im Bahnhof Wilhelmshöhe könnte dann in die Kurhessenbahn Richtung Ahnatal umgestiegen werden. Als Reaktion auf den Ausfall der Regiotram bediene die Kurhessenbahn alle Haltestellen in Ahnatal, also auch die Casselbreite, sagt Herms. Auf diese alternative Verbindung sei über Lautsprecheransagen im Hauptbahnhof hingewiesen worden. (mic)

Von Michael Schräer

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