Schützenverein Vollmarshausen hat gute Erfahrungen mit Scatt-Anlage gemacht

Mit Infrarot statt Kugeln

Rosa heißt Treffer: Die farbigen Linien markieren die Phasen vor und nach dem abgegebenen Schuss.

Lohfelden. Uwe Armbröster visiert in der Schießanlage des Schützenhauses in Vollmarshausen mit dem schweren, großkalibrigen Revolver in beiden Händen und ausgestreckten Armen das Ziel an. Doch als er den Abzug durchzieht, passiert - nichts! Normalerweise würde man jetzt einen ohrenbetäubenden Knall hören, der nur mit Gehörschutz erträglich ist.

Doch den Lauf des Revolvers hat gar keine Kugel verlassen. Stattdessen hat der Schütze beim Abdrücken den kleinen Infrarotsender am Lauf aktiviert, er trifft sein Ziel mit Licht: Möglich macht das eine sogenannte Scatt-Anlage, ein computerunterstütztes Trainingssystem für Sportschützen, das ganz ohne Knallerei auskommt. Sensoren hinter der Zielscheibe registrieren die Stelle, wo der Lichtstrahl des Schützen auftrifft und leiten die Daten mittels Kabel an den PC weiter. Die Waffe ist mit einem weiteren Kabel mit dem Computer verbunden, der jede Bewegung des Schützen vor und nach dem Schuss aufzeichnet.

Eine Reihe von Schützenvereinen in der Region hat bereits eine solche Anlage angeschafft. Die Ergebnisse seiner Schützen, die bei Kreis-, Gau- und Landesmeisterschaften mitmischen, hatten sich dadurch stabilisiert und sogar verbessert, schwärmt der Vereinsvorsitzende Armbröster. Das gilt beispielsweise für seinen Sohn René, der es schon einmal zu einer Teilnahme an den deutschen Meisterschaften gebracht hat. Er kann sogar zu Hause trainieren, weil man mit der Scatt-Anlage nicht auf einen Schießstand angewiesen ist. „Das ist gut angelegtes Geld“, sagt der Vereinsvorsitzende mit Blick auf den Anschaffungspreis von 1000 Euro für das System. Denn die Anlage sorge nicht nur für bessere Trainingsmöglichkeiten, sondern helfe auch, teure Munition zu sparen.

Die Vollmarshäuser sind eher durch Zufall auf die Scatt-Anlage gestoßen. Vor vier Jahren überlegten sie, wie sie beim Dorffest allen Bürgern, auch den Kindern, das Schießen ermöglichen könnten. Denn auf dem Dorfplatz gibt es keinen Schießstand. Die Idee mit der Scatt-Anlage fand die Gemeinde Lohfelden so gut, dass sie damals einen Zuschuss gab.

Impulse für Jugendarbeit

Jugendwart Dierk Löber erhofft sich von dem Trainingssystem Impulse für die Jugendarbeit. Von den 70 Mitgliedern des Vereins gehören nur 15 zum Schützennachwuchs, weitere Kinder sind willkommen. Das Problem: Kinder dürfen erst mit zwölf Jahren mit Luftpistole oder Pressluftgewehr trainieren. In diesem Alter seien aber viele schon von anderen Vereinen „abgeholt“ worden, sagt Löber. Mit Scatt dürfen sie jetzt schon früher üben.

Das System erleichtere auch die Trainingsarbeit. Denn der Anfänger könne auf dem Computer nach jedem „Schuss“ nachvollziehen, wo er Fehler beim Anvisieren, Zielen und Abdrücken gemacht habe, betont der Jugendwart. Armbröster hofft, dass die Anlage auch Vorurteile gegen den Schießsport abbauen hilft. Da gehe es ausschließlich um die Schulung der Konzentrationsfähigkeit, und nicht um die Lust an Knallerei.

Kontakt: Übungsabend des Schützenvereins Diana Vollmarshausen für Kinder und Jugendliche, dienstags 18 bis 20 Uhr, Schützenhaus an der Sporthalle, Kurt-Schumacher-Straße.

HINTERGRUND

Von Peter Dilling

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