Geofencing erleichtert die Planung

Innovation im VW-Konzern: Autoteile melden sich vor Ankunft

Gewusel von Gabelstaplern: Zwischen den Verladeböden und davor sind zahlreiche Staplerfahrer unterwegs. Die Böden werden nach dem Beladen komplett in eigene Lkw geschoben, die das Material zur Produktion bringen. Das moderne Logistiksystem wurde am VW-Standort Baunatal entwickelt. Fotos: Kühling

Baunatal. Autoteile melden sich per GPS-Signal vom Lkw eines Transportunternehmens einige Kilometer vor der Ankunft in der Fabrik, wo sie abgeladen und verbaut werden sollen. Sie teilen dem Autobauer mit, welcher Art sie sind, ihre Anzahl und ihre Ankunftszeit.

Es klingt wie Zukunftsmusik - ist aber in der Autobranche schon in der Testphase. „Geofencing“ heißt das System, das die Marke Audi am Mittwoch auf einer weltweiten Innovationsmesse für Logistik im Original-Teile-Center (OTC) von VW in Baunatal vorstellte.

Verantwortliche von 108 Werken von zwölf Konzernmarken aus der ganzen Welt waren bei der Präsentation im OTC 4 vertreten. Überall wurde gezeigt, wie Transport berechenbarer, schneller, sicherer und kostengünstiger gestaltet werden kann.

Hier kommt das Material automatisch: Ein Anhänger holt sich die Teile für die Produktion und bringt sie zur Montage. Das System präsentierte Skoda-Logistikchefin Jana Mrkvickova.

Geofencing versetzt den Abnehmer - beispielsweise das VW-Werk in Baunatal - in die Lage, genau zu planen, wann die Teile eintreffen, wann sie abgeladen und schließlich im Werk weiter verteilt werden können, erläutert Jörg Fenstermann, Chef der Logistik im VW-Werk Kassel in Baunatal. Ein positiver Nebeneffekt der modernen Technik könnte sein, dass Brummifahrer mit ihren tonnenschweren Trucks keine Wartezeiten mehr haben und sie nicht sinnlos auf Parkplätzen, an Straßenrändern und in Gewerbegebieten rumstehen. Eine Entlastung also für die Kommunen und die Straßen.

Das System zeigt aber auch, dass die Logistik zunehmend von Computertechnik bestimmt wird. „Es wird kaum noch Innovationen geben ohne EDV“, sagt Thomas Zernechel, Leiter der Logistik im VW-Konzern.

Relativ einfach kommt da die Neuerung auf dem Messestand der Baunataler Logistiker daher. Ihr kleiner Verladeboden hilft beim Transport von Ware vom Lkw in nahezu schmutz- und staubfreie Räume. Eine Schiebevorrichtung macht es möglich, dass die hochempfindlichen Teile etwa für die Mechatronik im Getriebebau kaum noch angefasst werden müssen.

Teiletransport auf doppeltem Boden: Die Innovation aus Baunatal erleichtert die Arbeit in staubfreien Räumen, Hanno Langer (links) und Matthias Wiegand geben Auskunft.

„Man hat das Handling halbiert“, sagt Prozessplaner Dr. Matthias Wiegand. Und: Die Arbeitskraft eines halben Mitarbeiters an diesem Platz könne damit eingespart und woanders genutzt werden - etwa in der Produktion.

Die Technik mit einem Verladeboden wird bereits seit einiger Zeit im Logistikzentrum Cross-Dock in Baunatal eingesetzt. Der Boden, der von mehreren Seiten schnell beladen werden kann, wird komplett in einen Verteil-Lkw geschoben. Dabei handele es sich um ein am Standort Baunatal entwickeltes System, so Jörg Fenstermann. Dieses sei inzwischen Vorbild für viele andere VW-Werke. „Mindestens einmal im Monat bekommen wir Besuch von anderen Konzernstandorten.“

Von Sven Kühling

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