Instrumente für ein ganzes Orchester

Karl-Heinz Sippel führt eines der kleinsten Musikfachgeschäfte Deutschlands – Nachfolger gesucht

Experte in Sachen Instrumentenbau: Karl-Heinz Sippel, Inhaber von Musikwaren Sippel, bietet in seinem Anbau vor seinem Wohnhaus in Niedervellmar unter anderem Akkordeons, Blockflöten, Keyboards, Schlagzeuge und Gitarren an. Foto: Rogge-Richter

Vellmar. Es sei vermutlich das kleinste Musikfachgeschäft Deutschlands, hat Karl-Heinz Sippel einmal über seinen Laden im Kirchweg 9 in Niedervellmar gesagt. Das war ein Scherz. Obwohl: So weit hergeholt erscheint einem die spaßhafte Bemerkung nicht, wenn man bei Sippel Musikwaren vorbeischaut.

30 bis 40 Quadratmeter klein ist der Anbau, den der Inhaber des Geschäfts in den 1990er-Jahren im Vorgarten seines Wohnhauses errichten ließ. Aber die Tage des Mini-Ladens sind gezählt. Denn die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig.

Auf engstem Raum präsentiert Sippel all die Instrumente, mit denen auf einen Schlag ein ganzes Orchester bestückt werden könnte: Keyboards, Akkordeons, Gitarren und unter anderem Blockflöten füllen - in wohlsortierter Ordnung - jeden Winkel des Musikhauses aus. Den Blechblasinstrumenten wie Trompete, Posaune und zum Beispiel Tuba hat Sippel darüber hinaus einen eigenen Raum in seinem Keller gewidmet.

Hier, auf seinem privaten Grundstück, ist Sippel sein eigener Herr: ein Grund, warum der gebürtige Niedervellmarer mit seinen Musikwaren in sein Wohnviertel gezogen sei. Seinen ersten Laden, das „Musikstudio“, das er 1982 an der Kreuzung Obervellmarsche Straße/Kasseler Straße eröffnet hatte, habe er verlassen, weil ihm die Sicherheitsvorkehrungen dort nicht ausgereicht hätten. „Vor 20 Jahren wurde bei mir zweimal kurz hintereinander eingebrochen. Die Täter, die bis heute nicht gefasst wurden, haben mir den ganzen Laden leer geräumt“, erinnert sich der Musikalienhändler.

Seine (Stamm-)Kunden, zu denen neben zahlreichen Mitgliedern der Musikvereine Vellmars auch viele weitere Hobby- und Berufsmusiker aus ganz Deutschland gehörten, folgten ihm auch in den Kirchweg: „Ich habe keinen Bäckerladen, in dem andauernd Laufkundschaft vorbeikommt. Wer ein Geschäft für Musikinstrumente sucht, findet es auch in einer Seitenstraße.“

Wahre Schätze: Für sein Sortiment an Blechblasinstrumenten hat Karl-Heinz Sippel in seinem Keller einen Raum eingerichtet.

Und wer einen Fachmann in Sachen Instrumentenbau undMusikgeschichte sucht, der findet ihn in Karl-Heinz Sippel: Der Entwicklungsingenieur, der die Firma Henschel verließ, um seiner wahren Leidenschaft nachzugehen und Musikalienhändler zu werden, hat sich im Laufe der Jahrzehnte jede Menge Expertenwissen angeeignet.

Um nicht nur seine Erfahrungen, sondern sein gesamtes Geschäft in jüngere Hände abzugeben, ist Sippel bereits seit Längerem auf Nachfolgersuche. Doch die gestalte sich schwierig, sagt Sippel, selbst leidenschaftlicher Hobbymusiker: „Bei mir haben schon Leute angefragt, die kein einziges Instrument spielen. Das ist für mich unvorstellbar.“

www.sippel-musikwaren.de

Von Sarah Rogge-Richter

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.