Marktplatz: Ein interessantes Stück Agrargeschichte

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Keinen Platz mehr: Schweren Herzens trennt sich Dorothea Alheit von dem alten Leiterwagen, der in seine Einzelteile zerlegt ist.

Eine Kuh auf einem Bauernhof hatte es früher nicht leicht. Sie sollte Milch geben so oft es geht, gerne mal ein Kalb zur Welt bringen und darüber hinaus durfte das arme Tier auch noch auf dem Hof oder dem Feld schuften.

„Die Großbauern hatten ihre Pferde, die sie für Arbeit einsetzen konnten unsereins nur ein paar Kühe“, berichtet Dorothea Alheit, die vor rund 50 Jahren auf einen kleinen Hof in Fuldabrück-Dörnhagen eingeheiratet hat. „Es musste jeder mit anpacken, es waren harte Zeiten“, erinnert sie sich. Zur Arbeit eingespannt wurden auch die Kühe, bevorzugt als Zugtiere für den Leiterwagen, mit dem die Garben vom Feld eingebracht wurden. Einen solchen Leiterwagen hat Dorothea Alheit noch auf dem Heuboden ihrer Scheune. In seine Teile zerlegt, wird der Wagen längst nicht mehr für die Landwirtschaft genutzt, sondern dient vielmehr als Erinnerungsstück. „Als ich vor 50 Jahren auf den Hof kam, gehörte der Leiterwagen bereits zum Inventar“, sagt Alheit, die das Alter des guten Stückes auf ungefähr 80 Jahre schätzt.

Erinnerungen an alte Zeiten

Sie selbst war noch mit dem Leiterwagen auf dem Feld unterwegs: „Während die Männer das Getreide mit der Sense geschnitten haben, mussten wir Frauen die Garben binden. Auch die Kinder mussten helfen“. Bis in die 50er-Jahre sei der Leiterwagen ausgiebig für landwirtschaftliche Zwecke genutzt worden, danach wurde er als Erinnerungsstück aufgehoben. Als solches wurde er behandelt „wie ein rohes Ei“, sagt die Besitzerin, die sich nun schweren Herzens von ihm trennen muss. Dorothea Alheit verlässt den Hof und zieht in eine Wohnung, die leider keinen Platz für die vielen nostalgischen Stücke und erst recht nicht für einen Leiterwagen bietet. Der Wagen ist aus unbehandeltem Holz, weshalb er vor jedem Regen geschützt wurde. „Der Wagen ist zu hundert Prozent in Ordnung, alle Teile sind vollständig, es fehlt nichts“, meint Alheit. Das Gefährt könne jederzeit wieder aufgebaut und genutzt werden. Heute wohl weniger für landwirtschaftliche Zwecke, sondern eher als ein Objekt, das die Blicke auf sich zieht. Auch als Umzugswagen für die Kirmes oder ähnliche Festzüge komme der Leiterwagen durchaus infrage. Früher sei er bereits regelmäßig als Festwagen beim Erntedankfest mitgefahren, auch im Rahmen der 750-Jahr-Feier Dörnhagens zog der Leiterwagen, als traditioneller Brautwagen ausgestaltet, durch den Ort. Sogar das alte Gestell einer Erntekrone, die bei den Erntedankfesten als Schmuck auf dem Wagen thronte, gibt es dazu. Ebenso wie das originale Bremssystem mit einer Kurbel, über die die Bremsklötze an das eisenbeschlagene Holzrad gepresst werden oder die Deichsel, mit der sich der Leiterwagen nicht nur von Pferden oder Kühen ziehen, sondern sich auch hinter einen Traktor spannen lässt.

Dorothea Alheit wünscht sich, dass der Wagen in gute Hände kommt und weiterhin als Fahrzeug für besondere Anlässe Verwendung findet. Als Verhandlungsbasis ruft sie 400 Euro auf. (pee)

Kontakt: 0 56 65 / 22 13

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