Harte Zeiten für Gemüse & Co.

Interesse an Wochenmärkten und Hofläden sinkt im Kreis Kassel

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Frisches Obst und Gemüse: Bärbel und Manfred Opfermann vom Birkenhof in Gebenstein können dank eines breiten Angebots noch akzeptable Umsätze an ihrem Stand in der Kasseler Markthalle erzielen. Sohn Timo Opfermann, der unter anderem den Vellmarer Wochenmarkt beschickt, spricht dagegen schon eher von zurückgehenden Kundenzahlen. 

Kreis Kassel. In deutschen Küchen wird immer weniger gekocht, Fertigprodukte sind im Trend. Das ist das Ergebnis des jüngsten Ernährungsreportes des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Das hat unmittelbaren Folgen für Wochenmärkte und Hofläden. Laut Ernährungsreport kauften 2016 nur noch acht Prozent der Verbraucher auf Wochenmärkten ein – immerhin sechs Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Auch das Interesse am Hofladen beim Bauern ist mit fünf Prozent nur noch halb so groß wie im Vorjahr. Ein Trend, der sich auch im Landkreis Kassel niederschlägt?

20 Stände in Baunatal

„Wir haben nicht das Gefühl, dass weniger Kunden kommen“, sagt Dirk Wuschko, Geschäftsführer der Stadtmarketing Baunatal GmbH, die den Wochenmarkt auf dem Marktplatz betreibt (Mi. und Sa. von 7 bis 13 Uhr). Die Geschäfte liefen gut, „und das seit 32 Jahren“, sagt Wuschko. Das wisse er aus Gesprächen mit den Marktbeschickern. Eher werde es schwieriger, Standbetreiber zu finden. Mit bis zu 20 Marktständen zählt der Baunataler Wochenmarkt noch zu den größten in der Region überhaupt.

Doch selbst kleine Wochenmärkte – wie der in Kaufungen (Sa. von 8 bis 12 Uhr) – halten sich tapfer. „Wir haben nur zwei Stände – einen Gemüsehändler und einen Fleischer“, sagt Hauptamtsleiter Carsten Marth. Beide Betreiber seien seit vielen Jahren ein fester Bestandteil in der Kaufunger Geschäftswelt. „Die trotzen sogar Rewe und Edeka.“ Der Versuch, den Markt zu vergrößern, war 2015 mangels Interesse seitens der Beschicker (Deutsche Marktgilde) gescheitert.

„Rückgang von zehn Prozent“

Der Wochenmarkt in Vellmar schwächelt aktuell, es gibt mindestens acht Stände (Mi. und Sa. von 8 bis 13 Uhr). So sieht es zumindest Timo Opfermann, der dort Obst und Gemüse (Birkenhof Grebenstein) verkauft. „Der Markt war stark, seit zwei Jahren jedoch verzeichnen wir einen Rückgang von etwa zehn Prozent“, sagt Opfermann.

Besser läuft es bei seinem Vater Manfred Opfermann in der Kasseler Markthalle. Weil dort ein breiteres Angebot präsentiert werden kann, „stimmen hier noch die Zahlen“, sagt Manfred Opfermann. Dennoch: „Die Deutschen sind nicht bereit, angemessenes Geld für Nahrungsmittel auszugeben. Die Folge: Im Marktgewerbe wird zu wenig verdient“, ergänzt Timo Opfermann. Und mit Blick auf Vellmar sagt er: „Ein bisschen Luft haben wir noch, aber eben nicht mehr viel“.

Keine Massenware

Auch Siegrid Bott vom Hof Bott in Schauenburg-Martinhagen (Eier, Kartoffeln, Getreide) beobachtet Kundenschwund vor allem im mobilen Geschäft mit den hofeigenen Verkaufsautos. „Das wird immer weniger. Die Supermärkte sind eine starke Konkurrenz“, sagt Bott. Einen leichten Aufschwung erlebe dagegen der Hofladen direkt an der Wattenbergstraße 30. „Hier kommen Leute, die keine Massenware wollen“, sagt Bott. Frische, Qualität und Regionalität seien für diese Kunden wichtige Kriterien.

Steil nach oben ging es für den Mitgliederladen „Mila O“ in Oberkaufungen. Seit dem Umzug an den Brauplatz im Juni 2016 hat sich die Mitgliederzahl von 130 auf 190 erhöht. Mitglieder erhalten zum Selbstkostenpreis Obst und Gemüse aus ökologischer und regionaler Landwirtschaft. Aber auch „normale“ Kunden können hier einkaufen. „Mein Eindruck ist eher, dass sich immer mehr Leute bewusster ernähren wollen“, sagt Marius Godelet vom „Mila O“, und das trotz Supermärkten im Ort.

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