Büro im Rollkoffer

Interview mit Demografie-Referenten: Kommt die Verwaltung bald zum Bürger?

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Diplom-Verwaltungswirt Peter Karl Klinger

Lohfelden. Die Bevölkerung wird immer älter. Über die Auswirkungen des demografischen Wandels für die öffentliche Verwaltung diskutierten 20 kommunale Führungskräfte auf einem „Demografie-Forum“ des Verwaltungsseminars Kassel in Lohfelden.

Unser Mitarbeiter Hans-Peter Wohlgehagen sprach mit einem der Referenten, dem Diplom-Verwaltungswirt Peter Karl Klinger aus Hagen.

 

Herr Klinger, mit dem neuen E-Government-Gesetz ist der Weg frei für die elektronische Verwaltung. Welche Behördenangelegenheiten werden für die Bürger nun einfacher? 

Peter Karl Klinger: Das Gesetz schafft mit dem Einsatz des elektronischen ID-Kennzeichens des Personalausweises die rechtliche Grundlage dafür, dass jetzt alle Massenprozesse – auch die mit ID-Erfordernis und Unterschrift – von der Verwaltung über das Internet angeboten werden können. Die Möglichkeiten sind vielfältig: etwa bei Führungszeugnissen, Meldebestätigungen, Kfz-Abmeldungen, Erklärung zum Elterneinkommen für Kitas und bei Katasterauskünften.

Sie haben in Lohfelden Pilotprojekte für mobile Bürgerbüros vorgestellt. Was kann man sich darunter vorstellen? 

Klinger: Mit mobilen Bürgerdiensten kommt die Verwaltung zum Bürger. Es finden mit dem „Bürgeramt im Rollkoffer“ beispielsweise in Sparkassenzweigstellen, Bankniederlassungen, Altersheimen, aber auch samstagmorgens in Einkaufszentren Bürgersprechstunden statt. Dabei können mobil alle Angelegenheiten erledigt werden, die auch im Bürgerbüro möglich sind.

 

Bedeutet die Einführung von elektronischen Selbstbedienungsterminals für kommunale Dienstleistungen nicht das Ende der persönlichen Beratung? 

Klinger: Die Beschäftigten bei den Kommunen werden durch altersbedingtes Ausscheiden immer weniger. Also muss die Verwaltung Organisationsmittel einsetzen, die auch die Wirtschaft nutzt – wie zum Beispiel Selbstbedienungsterminals ähnlich der Technik, die wir von Banken und Sparkassen seit Jahren kennen. Allerdings ist dies kein Ersatz für das Bürgerbüro. Im Gegenteil: Verwaltungen bauen mehrere Zugänge auf, bestehend aus der persönlichen Beratung, der telefonischen Erreichbarkeit, dem elektronischen Zugang (E-Government) und der rationellen Bearbeitung der schriftlichen Eingänge (elektronische Akte). Das Bürgerbüro hat auch in Zeiten der elektronischen Verwaltung seinen festen Platz. (ppw)

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