Ex-SPD-Bundestagskandidat Rainer Pfeffermann im Interview über das Verfahren und seine Ambitionen

Interview mit Rainer Pfeffermann: Bundespolitik lockt noch immer

Engagiert: Rainer Pfeffermann zeigte sich nach dem Freispruch im Verfahren wegen sexueller Nötigung einer Parteifreundin kämpferisch. Der SPD-Mann fordert von seiner Partei Unterstützung bei seiner Rückkehr auf die politische Bühne ein.

Kassel. Vergangene Woche wurde der frühere SPD-Bundestagskandidat Rainer Pfeffermann vom Vorwurf der sexuellen Nötigung einer Parteifreundin freigesprochen. Ein weiteres Verfahren gegen den 44-Jährigen wegen des gleichen Delikts läuft noch. Wir sprachen mit ihm über den Prozess, das Urteil und seine politische Zukunft.

Herr Pfeffermann, der Freispruch liegt eine Woche zurück. Wie fühlen Sie sich?

Rainer Pfeffermann: Ich fühle mich noch nicht so richtig wohl, weil ich jetzt erst sehe, vor welchem Scherbenhaufen ich stehe, obwohl ich immer gesagt habe, dass ich unschuldig bin.

Noch sind Sie nicht voll rehabilitiert. Das Urteil in dem abgetrennten Verfahren wegen sexueller Nötigung steht noch aus. Wie wird das Verfahren ausgehen?

Pfeffermann: Ich gehe jetzt einen Schritt nach dem anderen und muss die nächsten Verhandlungstage abwarten. Der Vorfall, um den es geht, liegt elf Jahre zurück. Da können die Aussagen nicht gehaltvoller sein als in dem jetzt abgeschlossenen Verfahren. Viel hängt auch von dem Gutachten des Sachverständigen ab. Ich hoffe auf einen Freispruch.

In der Urteilsbegründung kommt Ihre Ex-Geliebte, die die Sache ins Rollen gebracht hat, schlecht weg. Richter Stanoschek hat die Frau praktisch als Lügnerin dargestellt. Ist das eine Genugtuung für Sie?

Pfeffermann: Genugtuung habe ich in dem Moment verspürt, als der Richter die Einzelheiten aufgedröselt hat. Dadurch wurde deutlich, dass die Nebenklägerin verschiedene Geschichten erzählt hat. Die Frage ist nur, wie dies in der Öffentlichkeit und bei meinen Arbeitskollegen im Volkswagenwerk ankommt.

Der Richter geht davon aus, dass Ihre Ex-Geliebte Sie als Kandidat absägen wollte. Als Motiv vermutet er Rache wegen Ihrer Entscheidung, sie nicht als Mitarbeiterin in Ihrem Bundestagsbüro einzustellen. Andere gehen weiter: Sie vermuten eine Intrige der SPD. Spitzenleute, so die Vermutung, wollten Ihren Einzug in den Bundestag verhindern.

Pfeffermann: Das möchte ich mir so nicht vorstellen. Auch wenn ich schon wusste, dass unser Bezirkschef Manfred Schaub nicht mein Freund ist. Für eine Intrige hätten die ja eine Frau suchen und finden müssen, die das so behauptet. Ich glaube eher, dass das Motiv der Frau wirklich die Tatsache war, dass sie nicht mit nach Berlin gedurft hätte. Ob das dann von Seiten der politisch Handelnden ausgenutzt wurde, kann ich noch nicht abschließend beurteilen. Ich erwarte, dass hier auch in der Partei noch Aufklärungsarbeit geleistet wird.

Warum gehen Sie wegen deren Aussagen nicht juristisch gegen Ihre Ex-Geliebte vor?

Pfefferann: Wer sagt denn, das ich das nicht tue? Aber das Strafverfahren schwebt noch, und zwar bis zu einer möglichen Revisionsentscheidung. Wenn ich rechtskräftig freigesprochen bin, prüfen wir, ob eine Unterlassungsklage dann noch erforderlich ist.

Wie halten Sie es nach Ihren jüngsten Erfahrungen eigentlich mit den Frauen?

Pfeffermann: Ich habe eine neue Beziehung. Meine Partnerin weiß über das Verfahren Bescheid. Ich werde im Umgang mit Frauen vorsichtiger sein.

Nach dem Freispruch haben Sie gesagt, sie erwarteten nun einen Anruf der SPD. Hat Ihr Telefon schon geklingelt?

Pfeffermann: Das Telefon hat schon geklingelt, aber die SPD war nicht dran. Ich habe zum Beispiel mit Gemeindevertretern anderer Fraktionen und politischen Weggefährten gesprochen.

Wer aus der SPD-Spitze müsste denn anrufen?

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Pfeffermann: Eigentlich müssten drei anrufen: Mein Unterbezirksvorsitzender Uwe Schmidt, Bezirksvorsitzender Manfred Schaub und der Kasseler SPD-Chef Jürgen Kaiser. Das würde auch als Telefonkonferenz funktionieren. Die hat es kurz vor meinem Rücktritt ja auch gegeben.

Aber Sie wollen zurück in die Politik?

Pfeffermann: Ich komme doch daher. Warum sollte ich nicht zurückgehen wollen? Allerdings konnte ich bei den jetzt anstehenden Kommunalwahlen nicht mehr berücksichtigt werden, weil das Verfahren ja so lange gedauert hat. Hier ist also in der nächsten Zeit kein Engagement möglich.

Wer in der Partei steht denn hinter Ihnen?

Pfeffermann: Das ist schwierig zu sagen. Der einzige, der mich nach meinem Rücktritt mal angerufen hat, war Thorsten Schäfer-Gümbel (der Landesvorsitzende der SPD, Anmerkung der Redaktion). Man merkt es bei den Geburtstagskarten. Aus manchem Verteiler bin ich gestrichen.

In Ihrem Ortsverein Ahnatal-Heckershausen haben Sie schon wieder für einen Eklat gesorgt. Bei der Jahreshauptversammlung haben Sie sich geweigert, dem Vorsitzenden Jens Richter die Hand zu geben. Warum?

Rainer Pfeffermann

Pfeffermann: Was heißt denn „schon wieder“? Es ist für mich gar nicht so einfach, zu SPD-Veranstaltungen zu gehen. In diesem Fall habe ich mich erst einen Tag vorher dazu entschieden. Ich hielt es nach dessen Äußerungen nicht für angebracht, Herrn Richter für meine Ehrung für 27 Jahre Mitgliedschaft in der SPD mit Handschlag zu danken. Er hat in der HNA gesagt, es gebe keine Posten zu verteilen. Ich habe aber nie gesagt, dass ich einen Vorstandsposten oder ein Mandat in der Gemeindevertretung beanspruche.

Wie könnte ein politisches Comeback praktisch aussehen?

Pfeffermann: Ende April wird der Vorstand des SPD-Unterbezirks Kassel-Land neu gewählt, in dem ich derzeit noch als Beisitzer fungiere. Wenn der Vorstand will, könnte er sagen: Den Rainer nehmen wir wieder mit ins Boot.

Wenn Sie zurückblicken: War es richtig, im Juli 2009 von der Bundestagskandidatur zurückzutreten?

Pfeffermann: Nein. Hätte ich meinen Verteidiger nur zwei Tage früher getroffen, wäre ich nicht zurückgetreten. Der Wahlkampf hätte weiterlaufen können, und ich glaube, wir hätten den Wahlkreis geholt.

Ist ein Mandat im Bundestag für Sie vom Tisch?

Pfeffermann: Nein, das ist immer noch ein Thema. Bundespolitik hat mich immer interessiert. Ich habe noch immer Kontakte in Berlin.

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