Fünf Tiere in einer Woche gehen in Fallen

Immer mehr Waschbären kommen bis in Niestes Dorfmitte

Nieste. Mit ihren kleinen Händen und der Gesichtsmaske, die an Disneys Panzerknackerbande erinnert, bieten die Waschbären einen possierlichen Anblick.

Doch die furchtlosen und mitunter sogar angriffslustigen Tiere sind alles andere als harmlose und geeignete Mitbewohner.

In Nieste werden sie seit einigen Monaten sogar zur Plage, gegen die die Gemeinde und Hausbesitzer mit Fallen einen ziemlich aussichtslosen Kampf führen.

Allein in der vergangenen Woche wurden in den gut zwei Meter langen, röhrenartigen Holzfallen fünf Waschbären gefangen, berichten Bürgermeister Edgar Paul und Jagdpächter Hermann Guthof. Guthof (74) holt nach telefonischer Benachrichtigung die Fallen samt Inhalt ab und „entsorgt“ das Problem im Wald. Im Klartext: Der Waschbär wird aus der Falle entlassen und mit der Schrotflinte erschossen. Die Räuber mit den scharfen Zähnen auf anderem Weg aus der Falle zu holen, wäre zu gefährlich und verletzungsanfällig.

Die dichten Wälder rund um Nieste bieten den Waschbären prächtige Lebensbedingungen. Weil es im Dorf offenbar ein steigendes Nahrungsangebot gibt, zieht es die gebärfreudigen Allesfresser seit zwei Jahren verstärkt in die menschliche Nachbarschaft. Am waldnahen Haus der früheren Grundschulleiterin wurden laut Paul innerhalb weniger Monate fast 20 Waschbären gefangen, verlassene Scheunen und Gartenhäuser bieten den schlauen Tieren idealen Unterschlupf. Der Bürgermeister: „Manche Leute stellen ihnen sogar was zu fressen hin, mal Katzenfutter, mal ein halbes Pfund Gehacktes.“

Der Bürgermeister, selbst ambitionierter Jäger, hat in seinem Revier allein in diesem Jahr 26 Waschbären geschossen. Wie groß die Population rund um Nieste ist, weiß keiner - das nahe Kassel gilt bundesweit als Hauptstadt der Waschbären.

Inzwischen müssen die Niester ihre Mülltonnen verschließen, damit sie nicht von den geschickten Räubern geplündert werden, die Krankheiten übertragen, kräftig zubeißen und auch schon mal der Hauskatze gefährlich werden können. Als natürlichen Feind haben sie im nordhessischen Forst höchstens einmal den Dachs, meint Paul.

Sein Rat: Keine Essensreste in die Mülltonnen werfen und die ungebetenen Besucher konsequent vertreiben. Privatleute haben inzwischen eigene Fallen aufgestellt, auf Wunsch stellt die Gemeinde auch Fallen zur Verfügung, vier sind gegenwärtig im Einsatz.

Bei gefangenen Waschbären bitte die Jagdpächter Helmut Wolfram, 05605/5300, oder Hermann Guthof, 05605/ 924144, anrufen. Auch im Rathaus werden unter 05605/94410 Meldungen angenommen.

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