iPads für die Gemeindevertreter? - ein Pro und Kontra

Niestetal. Der Vorschlag sorgt für Zündstoff: Die CDU in der Gemeinde Niestetal will die Arbeit der Parlamentarier digitalisieren. Alle 41 Gemeidevertreter sollen iPads bekommen. Ein Pro und Kontra zu dem Vorschlag.

Pro: Der Realität stellen

Keine Frage: Vielen älteren Kommunalpolitikern würde der Umstieg vom Papier auf den Tablet-PC trotz intensiver Schulung schwerfallen. Wer sein Leben lang nichts oder nur wenig mit dem Computer zu tun hatte und diesen plötzlich professionell nutzen soll, kommt schnell in die Bredouille. Doch Kommunalpolitiker sind nicht irgendwer. Sie nehmen für sich in Anspruch, auf der Höhe der Zeit zu sein.

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Dies muss dann aber auch für die Informations- und Kommunikationstechnik gelten. Die Abgeordneten sind schließlich Vertreter eines Volkes, das - beruflich und privat - täglich viele Stunden vor dem Computer sitzt, im Internet surft und sich in sozialen Netzwerken wie Facebook tummelt. Dieser Lebensrealität müssen sich die Abgeordneten stellen. Tun sie es nicht, dann werden sie nie verstehen, wie die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts tickt.

„Mit uns zieht die neue Zeit“ heißt es in einem alten Arbeiterlied. Die Abgeordneten sollten diesen Satz wörtlich nehmen und den neuen Möglichkeiten offen begegnen. Sonst geht die Zeit schon bald einfach über sie hinweg.

Von Peter Ketteritzsch

Kontra: Übers Ziel hinaus

Die Idee der Niestetaler CDU, den Schriftverkehr zur Gemeindevertretung nur noch über iPad abzuwickeln, passt in unsere von Technik besessene Zeit. Mit ihrem Antrag schießen die Christdemokraten aber übers Ziel hinaus. Denn ihr Ansatz, alle über einen Kamm zu scheren und die Gemeindevertreter sozusagen per Beschluss auf das iPad zwangszuverpflichten, dürfte die parlamentarische Arbeit eher erschweren denn vereinfachen.

Denn eine Gemeindevertretung ist keine Hightech-Schmiede, wo alle über den gleichen Wissensstand verfügen. In der Realität würde der Einsatz des iPad dazu führen, dass gerade ältere Gemeindevertreter, die mit der neuen Technik nichts am Hut, aber ansonsten den kommunalpolitischen Durchblick haben, von der Entwicklung abgehängt werden. Während der Jungspund diskutiert, kämpft der Oldie mit der Technik - so wird das Szenario aussehen.

Wenn es denn sein muss, sollte es jedem Gemeindevertreter selbst überlassen werden, ob er dem Papierkram Adieu sagt. Was eigentlich schade wäre. Denn dann hätte in langweiligen Sitzungspausen auch der Papierflieger ausgedient.

Von Stefan Wewetzer

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