Polizei: Fahrzeug darf in Mischgebiet abgestellt werden

Irritationen um Gefahrgut-Lkw: Anwohner besorgt über Fahrzeug im Wohngebiet

Für Laien unverständlich: Die Ziffern auf der Tafel stehen für erwärmte flüssige Stoffe mit einer Temperatur bis 190 Grad Celcius.

Niestetal. Wenn Andreas Schlichting vom Balkon seiner Wohnung an der Hannoverschen Straße in Sandershausen blickt, wird ihm angst und bange. Immer wieder an Wochenenden steht direkt unter seinem Wohnzimmer ein Lastwagen, den orangefarbene Schilder als Gefahrguttransporter ausweisen.

Spätestens seit dem jüngsten Gefahrgutunfall von Homberg, bei dem mehrere Dutzend Menschen verletzt wurden, hält Schlichting diesen Zustand nicht mehr für tragbar. „Was ist, wenn etwas passiert?“, fragt der Anwohner, der sich besonders wegen der Fläche sorgt, auf der der Lastwagen abgestellt wird.

Dieser, das belegen Fotos, die Schlichting geschossen hat, steht nämlich eingeklemmt zwischen der Hauswand und einem Zaun mit hohen Sträuchern. „Die Einsatzkräfte könnten im Ernstfall nur von vorn an den Lkw gelangen.“ Am vergangenen Samstag hatte Schlichting endgültig die Nase voll. Er rief die Polizei an, beschwerte sich über den Gefahrguttransporter der Guxhagener Spedition Kördel. Die Antwort war für ihn enttäuschend. „Die Polizei hat mir gesagt, das sei keine Gefahr“, berichtet Schlichting. Polizeisprecher Torsten Werner bekräftigte gestern auf HNA-Anfrage die Auskünfte seiner Kollegen. „Der Lastwagen darf dort stehen“, so der Oberkommissar. Die Ziffern 3257 auf den orangefarbenen Tafeln bedeuteten, dass mit dem Lastwagen „Gefahrgut der ungefährlichsten Kategorie“ transportiert werde. Konkret handele es sich um „erwärmten flüssigen Stoff“ mit einer Temperatur von maximal 190 Grad Celcius. Recherchen der Polizei bei der Spedition hätten ergeben, dass mit dem Tankauflieger Bitumen transportiert werde. Wenn der Lkw in Sandershausen abgestellt werde, sei dieser allerdings leer.

Aber darf ein schwerer Lastwagen unabhängig von der Ladung mitten im Ort abgestellt werden? In einem reinen Wohngebiet hätten Lkw mit einem Gewicht von mehr als 7,5 Tonnen nach Paragraf 12 der Straßenverkehrsordnung an Sonn- und Feiertagen nichts verloren, sagt Polizeisprecher Werner. Bei dem Gebiet in Sandershausen handele es sich jedoch nicht um ein reines Wohn-, sondern um ein Mischgebiet, in dem auch Gewerbe zulässig ist.

Der Lkw dürfe daher dort auch an Sonn- und Feiertagen legal abgestellt werden. Ellen Kördel-Heinemann von der Geschäftsleitung der Spedition Kördel betonte auf Anfrage, dass das Unternehmen keine Lkw mit gefährlichen Gütern in Wohngebieten abstellt. Bei dem Lkw handele es sich um einen leeres Bitumenfahrzeug. Ein leerer Bitumenzug sei kein Gefahrgutfahrzeug. „Bedenken der Bevölkerung werden sehr ernst genommen.“

Von Peter Ketteritzsch

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